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ErnÀhrung in der Schwangerschaft

Auf diese Dinge sollten Schwangere achten

In der Schwangerschaft kommen zwei Faktoren zusammen: Ein erhöhter Bedarf trifft auf eine vermehrte VulnerabilitĂ€t gegenĂŒber bestimmten Lebensmitteln. Leitlinien und Empfehlungen helfen bei der richtigen ErnĂ€hrung.

1. Ab wann sollte sich bei einer Schwangerschaft Gedanken um die ErnÀhrung gemacht werden?

Idealerweise sollte die ErnĂ€hrung angepasst werden, noch ehe die Schwangerschaft beginnt. Frauen mit „zeitnahem” Kinderwunsch wird daher empfohlen, frĂŒhzeitig die nötigen Informationen einzuholen und RĂŒcksprache mit ihren behandelnden Ärzt:innen zu halten [1].

Grund ist, dass durch Wachstum und Entwicklung des Fetus besondere Anforderungen an den Bedarf an NĂ€hrstoffen und die mĂŒtterliche Körperfunktion entstehen. Die empfohlene FolsĂ€ure-Supplementierung (2.4.) sollte zum Beispiel bereits einen Monat vor der Zeugung beginnen [2, 3]. 

FĂŒr Frauen, die erst verspĂ€tet von ihrer Schwangerschaft erfahren, empfiehlt es sich, zeitnah mit ihren behandelnden Ärzt:innen Kontakt aufzunehmen und alle möglichen ErnĂ€hrungsanpassungen schnellstmöglich umzusetzen [2].

2. Was dĂŒrfen und sollten Schwangere essen?

2.1 ErnĂ€hrung-Checkliste fĂŒr Schwangere

Die Grundpfeiler einer gesunden ErnÀhrung wÀhrend der Schwangerschaft sollten Folgendes beinhalten [1, 4, 5].

2.1.1 Eine ausgewogene ErnÀhrung, inklusive:

  • Reichlich GemĂŒse aller Art 
  • Obst
  • Getreideprodukte, wobei mindestens die HĂ€lfte davon Vollkornprodukte sein sollten
  • Fettarme Milchprodukte (Milch, Joghurt und KĂ€se) und/oder laktosefreie Varianten sowie angereicherte SojagetrĂ€nke und -joghurt als Alternativen
  • Eiweißhaltige Lebensmittel, einschließlich magerem Fleisch, GeflĂŒgel und Eiern, MeeresfrĂŒchte, Bohnen, Erbsen und Linsen sowie NĂŒssen, Samen und Sojaprodukten
  • Pflanzliche Öle mit reichlich ungesĂ€ttigten FettsĂ€uren

2.1.2. Minimierung von:

  • Fertigprodukten und industriell verarbeiteten Lebensmitteln
  • Stark zuckerhaltigen Lebensmitteln
  • GesĂ€ttigten FettsĂ€uren 
  • Lebensmitteln mit hohem Salzgehalt

2.1.3 Substitution bestimmter:

  • Vitamine (2.3.)
  • Spurenelemente (2.3.)

2.1.4 Anpassung der:

  • Kalorienzahl, um eine kontinuierliche Gewichtszunahme bei gleichzeitiger Vermeidung von Übergewicht zu gewĂ€hrleisten

2.1.5 Vermeidung von:

  • Ungewaschenen oder ungegarten Lebensmitteln, inklusive rohem Fisch und rohem Fleisch
  • Unpasteurisierter Milch, KĂ€se oder SĂ€ften
  • Rohen Sprossen, inklusive Alfalfa, Klee, Rettich und Mungobohnen
  • Alkohol und anderen Suchtmitteln
  • Quecksilber-haltigem Fisch

2.1.6 Reduzierung des:

Kaffeekonsums auf maximal 200 bis 300 mg Koffein pro Tag bzw. 1 bis 2 Tassen Kaffee pro Tag

GewĂŒnschte Abweichungen von diesen Grundpfeilern sollten unbedingt mit den behandelnden Ärzt:innen abgesprochen werden, um MangelzustĂ€nde oder fĂŒr das ungeborene Kind schĂ€dliche Stoffe zu vermeiden [5].

2.2 Weitere Punkte, die bei der ErnÀhrung in der Schwangerschaft zu beachtet sind:

Zwar ist es generell wichtig, auf eine ausgewogene ErnÀhrung zu achten. Doch gerade in der Schwangerschaft gilt dies besonders. Wer sich an die obige Checkliste hÀlt, geht daher auf Nummer sicher.

2.2.1 Ausreichend ungesÀttigte FettsÀuren

Gerade um ausreichend ungesĂ€ttigte FettsĂ€uren zu sich zu nehmen, wird Schwangeren dabei der Verzehr von Fisch empfohlen. Denn die im Fisch und anderen MeeresfrĂŒchten reichlich enthaltenen Omega-3-FettsĂ€uren tragen nachweislich zu einer normalen Entwicklung des fetalen Gehirns und der Netzhaut bei [6].

Je nach Fisch oder Meeresfrucht kann der Omega-3-Gehalt variieren. Im Fall von Garnelen, leichtem Thunfisch in Dosen, Lachs, Seelachs oder Wels empfehlen Expert:innen zum Beispiel 2 bis 3 Portionen pro Woche. Wichtig ist jedoch, dabei nur Fisch mit niedrigem Quecksilbergehalt zu verzehren [1].

2.2.2 Zubereitung von Lebensmitteln

Auch bei der Zubereitung von Lebensmitteln ist einiges zu beachten. Um Infektionen wĂ€hrend der Schwangerschaft zu vermeiden, sollten daher bestimmte Vorsichtsmaßnahmen ergriffen werden. Hierzu zĂ€hlt [1]:

  • Ausreichendes HĂ€ndewaschen vorm Zubereiten von Lebensmitteln
  • Konsequentes Durchgaren von Fisch, Fleisch und Eiern
  • AbspĂŒlen von frischem Obst und GemĂŒse unter fließendem Wasser vor dem Verzehr
  • Ausgiebiges HĂ€ndewaschen nach BerĂŒhrung von rohem Fisch oder Fleisch
  • Reinigung von OberflĂ€chen und Kochutensilien nach der Zubereitung von rohem Fisch oder Fleisch

2.2.3 FlĂŒssigkeitsaufnahme

In Sachen FlĂŒssigkeitsaufnahme wird Schwangeren das Trinken von etwa 2,3 Liter Wasser empfohlen (grob 10 Tassen). Andere zuckerfreie GetrĂ€nke wie Tee können natĂŒrlich genauso gut genommen werden. Weitere 700 Milliliter werden ĂŒblicherweise ĂŒber die Nahrung aufgenommen, sodass die Gesamtaufnahme bei etwa 3 Litern liegt [7].

2.2.4 Gewichtszunahme

Die durchschnittliche Gewichtszunahme wÀhrend der Schwangerschaft liegt insgesamt bei 10-12 kg. Allerdings unterscheidet sich diese Empfehlung je nach Ausgangsgewicht der jeweiligen Frau [5].

2.2.5 Kalorienzufuhr

DafĂŒr sollte die Kalorienzufuhr – ebenfalls gewichtsabhĂ€ngig – erhöht werden. Dies gilt jedoch in der Regel erst ab dem zweiten Trimester (2.4.) [5,8].

Zustand BMI vor der Schwangerschaft Gewichtszunahme in kg Kaloriensteigerung ab dem 2. Trimester

Untergewicht

<18,5

12,5–18

AbhĂ€ngig vom Ausmaß des Untergewichts

Normalgewicht

18,5–24,9

11,5–16

340 bis 450 kcal/Tag

Übergewicht

25,0–29,9

7–11,5

260 bis 360 kcal/Tag

Starkes Übergewicht (Adipositas)

≄30

5–9

Nur geringfĂŒgige oder gar keine Kaloriensteigerung nötig

Body-Mass-Index (BMI) = Körpergewicht in kg / (KörpergrĂ¶ĂŸe in m)ÂČ

Wichtige Vitamine und Spurenelemente fĂŒr eine gesunde Schwangerschaft

Vitamine und Spurenelemente zĂ€hlen zu den sogenannten MikronĂ€hrstoffen. Das sind NĂ€hrstoffe, die zwar nur in sehr kleinen Mengen benötigt werden, dennoch fĂŒr die FunktionstĂŒchtigkeit des Körpers essenziell sind [9]. 

In der Schwangerschaft ist der Bedarf fĂŒr die meisten MikronĂ€hrstoffe erhöht, weswegen hier besonders auf eine ausreichende Zufuhr geachtet werden sollte. Dies gelingt jedoch in weiten Teilen durch eine ausgewogene ErnĂ€hrung (2.1.) [9].

Im Fall von FolsĂ€ure, Vitamin B12, Eisen, Jod und Calcium kann es jedoch leicht zu MangelzustĂ€nden kommen, weswegen Schwangeren – in RĂŒcksprache mit den behandelnden Ärzt:innen – zu einer Supplementierung dieser MikronĂ€hrstoffe geraten wird [5]:

Grund fĂŒr erhöhten Bedarf Folgen eines Mangels Prophylaxe

FolsÀure

Vermehrte Zellteilung und Bildung von Erythrozyten

Erhöhtes Risiko fĂŒr sogenannte Neuralrohrdefekte

FolsĂ€uresubstitution 400 ÎŒg/d

Vitamin B12

Vermehrte Zellteilung und Bildung von Erythrozyten

AnÀmie (Blutarmut) bei Mutter und Kind

Ggf. Vitamin B12-Substitution (v.a. bei Veganerinnen)

Eisen

Vermehrte Bildung von Erythrozyten

AnÀmie bei Mutter und Kind sowie erhöhtes Risiko einer Plazentainsuffizienz

30–60 mg/d fĂŒr Schwangere mit Eisenreserven
120–240 mg/d fĂŒr Schwangere ohne Eisenreserven

Jod

Höherer Grundumsatz und vermehrte Ausscheidung

Hypothyreose (SchilddrĂŒsen-unterfunktion)

TĂ€gliche Aufnahme von 250 ÎŒg Iod
→ je nach ErnĂ€hrung Substitution von ca. 150 ÎŒg Iod tĂ€glich

Calcium

Kindlicher Knochenaufbau

Knochen- und Zahnbeschwerden bei der Mutter

Ggf. Calciumsubstitution bei niedrigen Werten

Die Supplementierung von Vitamin D, A, E, C, weiteren B-Vitaminen und Zink kann je nach ErnĂ€hrung und Gesundheitszustand ebenfalls erwogen werden. Da es bei vielen dieser MikronĂ€hrstoffe jedoch auch einen oberen Grenzwert gibt, sollte dies ebenfalls mit den behandelnden Ärzt:innen abgesprochen werden. Zumal der Bedarf mitunter abhĂ€ngig vom aktuellen Alter der Schwangeren ist [9].

Speziell bei vegetarischer oder veganer ErnĂ€hrung sollten Eisen, Zink, Vitamin D und Vitamin B12 regelmĂ€ĂŸig im Blut sowie Jod im Urin gecheckt werden [5].

2.4. Empfehlung zur ErnÀhrung in der Schwangerschaft in den einzelnen Trimestern

Die Anforderungen an die ErnĂ€hrung sind weitestgehend in allen Trimestern der Schwangerschaft gleich. Der grĂ¶ĂŸte Unterschied besteht beim steigenden Kalorienbedarf im Verlauf der Schwangerschaft [8].

2.4.1. Erstes Trimester

Die ersten drei Monate der Schwangerschaft bedĂŒrfen allgemein keiner Erhöhung der Kalorienzahl. Umso wichtiger ist jedoch, im Idealfall bereits vor Beginn der Schwangerschaft auf eine ausgewogene ErnĂ€hrung zu achten (2.1.) und wichtige MikronĂ€rstoffe (2.3.) zu supplementieren [8].

Speziell die ausreichende Aufnahme von FolsĂ€ure ist im ersten Monat vor der Zeugung sowie anschließend im ersten Trimester der Schwangerschaft essenziell, um das Risiko eines sogenannten Neuralrohrdefektes zu minimieren [3].

Dabei handelt es sich um eine angeborene Fehlbildung, bei der es zu Fehlanlagen des zentralen Nervensystems, der WirbelsÀule und des SchÀdels kommt [5].

2.4.2. Zweites Trimester

Doch auch im zweiten Trimester (und weiteren Schwangerschaftsverlauf) sollte FolsÀure weiter supplementiert werden. Dies ist wichtig um ein regelrechtes Wachstum von Fetus und Plazenta zu ermöglichen [3].

DarĂŒber hinaus sollte die Kalorienzahl wie oben (2.2.) erklĂ€rt nun – abhĂ€ngig vom eigenen BMI – erhöht werden [8].

2.4.3. Drittes Trimester

Ähnlich sieht es auch im dritten Trimester aus. Die ErnĂ€hrung sollte ausgewogen bleiben (2.1.), die Supplementierung fortgesetzt werden (2.3.) und die Kalorienzahl weiterhin BMI-adaptiert erhöht bleiben (2.2.) [5, 9].

2.5 Was ist in der Schwangerschaft verboten?

Zu den fĂŒr Schwangere potenziell schĂ€dlichen Nahrungsmitteln zĂ€hlen [1, 4, 5]:

  • Ungewaschene oder ungegarte Lebensmitteln, inklusive rohem Fisch und rohem Fleisch
  • Unpasteurisierte Milch, KĂ€se oder SĂ€fte
  • Rohe Sprossen, inklusive Alfalfa, Klee, Rettich und Mungobohnen
  • Alkohol und andere Suchtmittel
  • Quecksilber-haltiger Fisch
  • Ein ĂŒbermĂ€ĂŸiger Kaffeekonsum
  • NahrungsergĂ€nzungsmittel mit vorgebildetem Vitamin A 
  • Leber (ebenfalls aufgrund des hohen Vitamin-A-Gehalts)
  • ÜbermĂ€ĂŸiger Jodkonsum in NahrungsergĂ€nzungsmitteln und Meeresalgen
  • Industriell verarbeitete Lebensmittel mit hohem Gehalt an Transfetten

3. Die ErnÀhrung in der Schwangerschaft und die jeweiligen Auswirkungen aufs Kind

Ist die ErnĂ€hrungsanpassung bereits vor Beginn der Schwangerschaft erfolgt, können Schwangerschaftsrisiken fĂŒr FrĂŒh- oder Fehlgeburten, angeborene Anomalien, Blutdruckprobleme, Schwangerschaftsdiabetes, Untergewicht des Neugeborenen oder eine gestörte kognitive Entwicklung effektiv minimiert werden [2]. 

Studien weisen zudem vermehrt darauf hin, dass der ErnĂ€hrungszustand der Mutter wĂ€hrend Zeugung und Schwangerschaftsverlauf sogenannte „epigenetische VerĂ€nderungen” verursacht, die sich dann gĂŒnstig oder eben ungĂŒnstig auf die Genexpression des Kindes auswirken [2].  

Bei gesunder ErnĂ€hrung vor und wĂ€hrend der Schwangerschaft werden krankheitsfördernde Gene im spĂ€teren Leben des Kindes somit weniger „angeschaltet”. Es lohnt also, Unter-, Über- oder FehlernĂ€hrung unbedingt zu vermeiden [2]. 

ErnÀhrung in der Schwangerschaft bei Krankheiten

Schwangere mit Vorerkrankungen sollten dies eng mit allen behandelnden Ärzt:innen absprechen, insbesondere wenn es sich durch die Krankheit um eine sogenannte Risikoschwangerschaft handelt. Das heißt, wenn bestimmte Risikofaktoren bestehen, die mit einem erhöhten Risiko fĂŒr Komplikationen einhergehen [10].

Unter den Vorerkrankungen sind entsprechende Risikofaktoren unter anderem Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Krebserkrankungen, Infektionen sowie neurologische Erkrankungen [10].

Je nach Krankheit können dann besondere Anforderungen an die ErnĂ€hrung bestehen. Dies wĂ€re zum Beispiel wenig Salz bei Bluthochdruck, zuckerarme Lebensmittel bei Diabetes sowie eventuell ein erhöhter Kalorienbedarf bei Krebs- und Infektionserkrankungen durch Viren. Die genauen Maßnahmen mĂŒssen jedoch immer individuell betrachtet werden [10].

Auch das Thema Impfungen und Schwangerschaft, insbesondere die Keuchhusten-Impfung und die Corona-Impfung bei Schwangeren sind wichtige Punkte, wenn es um die Gesundheit fĂŒr Kind und Schwangere geht.

Die Inhalte dieses Artikels geben den aktuellen, wissenschaftlichen Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder und wurden nach bestem Wissen und Gewissen verfasst. Dennoch kann der Artikel keine medizinische Beratung und Diagnose ersetzen. Bei Fragen wenden Sie sich an Ihren Allgemeinarzt.

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