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Krebs verstehen

HintergrĂŒnde zu Ursachen, Diagnose und Behandlung von Krebserkrankungen

Ohne dass wir es bemerken, leistet unser Körper tĂ€glich Erstaunliches. Denn er verfĂŒgt ĂŒber hocheffektive Reparaturmechanismen, mit denen er die stĂ€ndig auftretenden winzigen SchĂ€digungen an unserer DNA rĂŒckgĂ€ngig macht. Andernfalls könnte schon ein einzelner Sonnenbrand – und der damit verbundene Zellstress – zum großen Problem werden.

Aber auch das beste Reparatursystem hat seine Grenzen. Die Konsequenz ist eine der grĂ¶ĂŸten Herausforderungen fĂŒr das Schicksal vieler Menschen und fĂŒr das Gesundheitssystem als Ganzes. Kommt es nĂ€mlich zu einer DNA-SchĂ€digung, die nicht behoben wird, kann sich die fehlerhafte Zelle mitunter unkontrolliert vermehren. Es entsteht Krebs.

1. Was ist Krebs?

Wenn jemand von der eigenen oder der Krebserkrankung eines Bekannten erfĂ€hrt, denken viele als Erstes an FĂ€lle, von denen sie in der Vergangenheit gehört haben. Jedoch könnten die verschiedenen Arten und Schweregrade oft kaum unterschiedlicher sein. Zudem gibt es bei Krebserkrankungen viele Begriffe, die teils andere Dinge beschreiben. Umso wichtiger, sich mit den HintergrĂŒnden vertraut zu machen:

Übersicht: Wichtige Begriffe zum Thema Krebs [1]

Krebs

  • Umgangssprachliche Bezeichnung fĂŒr die unkontrollierte Vermehrung von Zellen. 
  • Es handelt sich dabei um bösartige Neubildungen.
  • Krebs kann jeden Zelltyp und damit jedes Organsystem im Körper betreffen.

Neoplasie:

  • HĂ€ufig von Medizinern verwendeter Fachbegriff.
  • Beschreibt ebenfalls eine Neubildung von abnormem Gewebe, allerdings kann diese gutartig oder bösartig sein.

→ Jeder Krebs ist eine Neoplasie – nicht aber andersrum (Beispiel gutartige Neoplasien).

Tumor:

  • Der Begriff Tumor bedeutet nicht dasselbe wie Krebs.
  • Vielmehr beschreibt er jedwede Art der abnormen GrĂ¶ĂŸenzunahme im Gewebe.
  • Ursache mĂŒssen also keineswegs entartete Zellen sein, sondern zum Beispiel auch eine Schwellung im Rahmen einer EntzĂŒndung.

→ Nicht alle Tumore sind Krebs (Beispiel Schwellung) und nicht jeder Krebs ist ein Tumor (Beispiel Blutkrebs).

Malignom:

  • Dies ist der Fachbegriff fĂŒr einen malignen Tumor.

1.1. Unterschied zwischen gutartigen und bösartigen Tumoren

Tumore werden grob in zwei Gruppen unterteilt: gutartig und bösartig. Dabei gibt es eine Reihe an Merkmalen, mithilfe derer diese Unterteilung erfolgen kann:

ZunĂ€chst ist da die sogenannte „Differenzierung”. Sie beschreibt, wie sehr die Tumorzellen dem Ursprungsgewebe Ă€hneln. Ist die Ähnlichkeit zu dem Gewebe, aus dem der Tumor hervorgegangen ist, groß, spricht man von einem „gut differenzierten” Tumor. Dies ist prognostisch gĂŒnstig und ein Merkmal von gutartigen Tumoren [2].

Ein weiterer Anhaltspunkt ist das Wachstum. Teilen sich die Tumorzellen nur langsam und lassen den Tumor damit nur allmĂ€hlich an GrĂ¶ĂŸe gewinnen, handelt es sich ebenfalls eher um einen gutartigen Tumor. Das Gegenteil wĂ€re bei bösartigen Tumoren der Fall, wo das schnelle Wachstum mit einem grenzĂŒberschreitenden Einwachsen in andere Gewebe verbunden sein kann [2].

Gutartige Tumore sind dagegen meist gut abgrenzbar und zeigen unterm Mikroskop kaum VerĂ€nderungen ihrer Zellstruktur. Zudem neigen sie selten dazu, in andere Organe zu metastasieren oder nach erfolgreicher Behandlung als Rezidiv zurĂŒckzukehren. Bei bösartigen Tumoren sieht man unterm Mikroskop dagegen viele atypische VerĂ€nderungen mit erhöhter AktivitĂ€t. Metastasierung und Rezidive sind hĂ€ufig [2].

2. Ursachen und Risikofaktoren: Wie Krebs entsteht

Dass sich Körperzellen teilen, ist wichtige Grundlage unseres Lebens. Ein anschauliches Beispiel ist das Abheilen einer offenen Wunde. Neue Hautzellen nehmen erfolgreich den Platz der alten ein. Jedoch erfolgen all diese AblÀufe kontrolliert nach einem festen Plan: unserer DNA. 

Anders sieht es bei Krebs aus. Ausgangspunkt ist hier eine SchĂ€digung der DNA. Schon eine einzelne Mutation kann dazu fĂŒhren, dass der entsprechende DNA-Abschnitt fortan gar nicht mehr oder aber fehlerhaft abgelesen wird. Die Ursachen hierfĂŒr können vielfĂ€ltig sein:

Übersicht: Ursachen einer DNA-SchĂ€digung [1, 5]

Bestimmte Virusarten:

  • Es gibt Viren, die in der Lage sind, die DNA von Körperzellen zu verĂ€ndern.
  • Dies gelingt, indem sie die körpereigene Regulation des Zellzyklus inaktivieren.
  • Hierzu zĂ€hlen zum Beispiel bestimmte Subtypen des Humanen Papillomavirus (HPV), welche GebĂ€rmutterhalskrebs verursachen können.

Bestimmte Arten von Strahlung:

  • Hierzu zĂ€hlt unter anderem UV-Strahlung mit Hautkrebs als Folgeerscheinung sowie ionisierende Strahlung mit diversen Krebsarten als potenzielle Folge.

Bestimmte chemische Schadstoffe:

  • Benzin, Zigarettenrauch oder auch Alkohol gehören alle zu den Substanzklassen, die dosisabhĂ€ngig Krebs verursachen können. 

Zufallsmutationen:

  • Mutationen können auch ohne externen Auslöser auftreten.

Dem gegenĂŒber stehen die Reparatursysteme der Zelle. Denn Mutationen treten stĂ€ndig auf und fĂŒhren in den allermeisten FĂ€llen nicht zu Krebs. Stattdessen können die Reparatursysteme der Zelle die Defekte rechtzeitig beheben. Erst wenn dies nicht gelingt, wird der Fehler an die Tochterzelle weitergegeben [1].

Und auch dann ist der Weg noch lang: Meist mĂŒssen viele weitere Mutationen in derselben Zelle auftreten, bei denen wichtige „Notfall- und Kontrollgene” in ihrer Funktion gestört werden. So dauert es meist Jahre, bis der Kontrollverlust endgĂŒltig ist und der nun bösartige Tumor beginnt, unkontrolliert zu wachsen [1].

So erklĂ€ren sich verschiedene Dinge. Eine Krebserkrankung kann auftreten, obwohl der auslösende Reiz – zum Beispiel Rauchen – schon Jahre zurĂŒckliegt. Auch kann fĂŒr jeden Schadstoff zwar ein statistisch durchschnittlicher Grenzwert errechnet werden, der eine Krebserkrankung wahrscheinlich macht. FĂŒr die Einzelperson kann man es jedoch nie sicher vorhersagen. Denn die StĂ€rke der eigenen Zellreparatur bleibt unbekannt [1].

Generell nimmt die Durchschlagskraft der Reparatursysteme mit dem Alter ab und die Zahl der Krebserkrankungen zu. Dass Krebserkrankungen heute zu den hĂ€ufigsten Todesursachen weltweit zĂ€hlen, liegt also vor allem an unserer gestiegenen Lebenserwartung. Jedoch sterben hochbetagte Menschen hĂ€ufig „mit” und nicht zwingend „an” einem Tumor [3, 4].

2.1. Krebsauslöser: Gene, Lifestyle oder Umwelt?

Unter Forscher:innen wird heftig debattiert, ob bei der Krebsentstehung vor allem die Gene oder aber externe Faktoren wie Lebensstil und UmwelteinflĂŒsse als Auslöser ĂŒberwiegen. Zudem gibt es Studien, die von „Zufallsmutationen” als hĂ€ufigste Auslöser ausgehen. Demnach wĂ€re die große Mehrheit an Krebserkrankungen schlicht auf „bad luck” – also Pech – und nicht etwa auf die genetische Disposition oder aber Ă€ußere Faktoren zurĂŒckzufĂŒhren [5]. 

Andere Forscher:innen sehen diesen Zufallsanteil deutlich geringer und gehen eher von Ă€ußeren Faktoren als Hauptgrund aus. Hierzu zĂ€hlen Rauchen, schlechte ErnĂ€hrung, starkes Übergewicht, Bewegungsmangel, erhöhter Alkoholkonsum, Luftverschmutzung und Umweltbelastungen durch krebsauslösende Substanzen [5].

Auch gibt es bestimmte genetische Veranlagungen, die sicher oder sehr wahrscheinlich zu einer Krebserkrankung fĂŒhren. Allerdings ist dies zahlenmĂ€ĂŸig die Ausnahme. Anstatt alle Krebsarten ĂŒber einen Kamm zu scheren, lohnt also der Blick auf die konkrete Diagnose [5]:

Abbildung zum Risiko von Krebsarten durch Risikofaktoren
Risiko von Krebsarten durch Risikofaktoren

3. HĂ€ufigkeit von Krebserkrankungen

Mit der zunehmend wachsenden und immer Ă€lter werdenden Weltbevölkerung steigt auch die Zahl an Krebserkrankungen. WĂ€hrend 2017 immerhin 6 % der ĂŒber 70-jĂ€hrigen Krebs hatten, waren es bei den Unter-50-JĂ€hrigen deutlich weniger als 1 % [6, 7].

In Deutschland ist bei den MĂ€nnern das Prostatakarzinom, gefolgt von Lungen- und Darmkrebs die hĂ€ufigste Krebserkrankung. Dabei sagt die HĂ€ufigkeit nicht automatisch etwas ĂŒber das Gesundheitsrisiko aus. So hat sich in Autopsien von verstorbenen 80-JĂ€hrigen bei jedem zweiten ein Prostatakarzinom finden lassen, das zeitlebens nie aufgefallen war [4, 8, 9].

Bei den Frauen ist dagegen Brustkrebs am hĂ€ufigsten, gefolgt von erst Darm- und dann Lungenkrebs. Konkret heißt das, statistisch gesehen erkrankt jede 8. Frau an Brustkrebs in ihrem Leben. MĂ€nner können zwar auch an Brustkrebs erkranken, dies passiert jedoch nur selten [8-10].

Etwa 5 % aller Krebserkrankungen weltweit betreffen Kinder. Hierbei handelt es sich ĂŒberwiegend um Krebsarten, die bei Erwachsenen seltener auftreten. Dies gilt insbesondere fĂŒr bestimmte LeukĂ€mien, also Blutkrebsarten [7].

Abbildung zu den jÀhrlichen Krebs-Neuerkrankungen
JĂ€hrliche Krebs-Neuerkrankungen

4. Vorbeugung und FrĂŒherkennung von Krebs

Vorbeugung und FrĂŒherkennung gehören beide zu wichtigen Maßnahmen im Kampf gegen Krebs. Bei der Vorbeugung geht es darum, die Entstehung von Krebs durch Anpassung des eigenen Lebensstils zu verhindern. Damit lĂ€sst sich das Risiko fĂŒr eine Vielzahl an Krebsarten nachweislich vermindern [11]. 

Die Vorbeugungsmaßnahmen richten sich nach den grĂ¶ĂŸten Risikofaktoren fĂŒr eine Krebsentstehung. Dazu zĂ€hlen [11]:

Übersicht: Maßnahmen zur Krebsvorbeugung [11]

Rauchen vermeiden

  • Tabakkonsum ist die wichtigste vermeidbare Krebsursache und ist fĂŒr 21 % aller KrebstodesfĂ€lle weltweit verantwortlich. 
  • UngefĂ€hr die HĂ€lfte aller Raucher:innen stirbt an einer tabakbedingten Krankheit.
  • Erwachsene Raucher:innen verlieren im Durchschnitt 13 Lebensjahre durch Tabakkonsum.

Körperlich aktiv sein

  • Verminderte körperliche AktivitĂ€t soll laut Beobachtungsstudien mit einem erhöhten Krebsrisiko verbunden sein.
  • Es wird geschĂ€tzt, dass eine sesshafte Lebensweise mit 5 % der KrebstodesfĂ€lle zusammenhĂ€ngt.

Körpergewicht im Normalbereich halten

  • Übergewicht wird mit einem erhöhten Risiko fĂŒr zahlreiche Krebsarten in Verbindung gebracht. 
  • Es wird geschĂ€tzt, dass starkes Übergewicht 20 % aller Krebserkrankungen verursacht. 

Gesund ernÀhren

  • Eine ausgewogene ErnĂ€hrung mit reichlich Obst, GemĂŒse und Vollkornprodukten sowie mit wenig gesĂ€ttigten Fetten, rotem und verarbeitetem Fleisch kann das Krebsrisiko senken.

Alkoholkonsum minimieren

  • Alkoholkonsum erhöht das Risiko fĂŒr verschiedene Krebsarten.
  • Das Risiko ist am geringsten, wenn gar kein Alkohol getrunken wird.
  • Wer sich dennoch fĂŒr Alkohol entscheidet, sollte den Konsum auf maximal ein alkoholisches GetrĂ€nk pro Tag fĂŒr Frauen und zwei fĂŒr MĂ€nner beschrĂ€nken.

Bestimmte Infektionen vermeiden

  • SchĂ€tzungsweise gehen 17 % aller Krebserkrankungen auf bestimmte Infektionserreger zurĂŒck.
  • Zu den effektivsten Schutzmaßnahmen zĂ€hlt, sexuell ĂŒbertragbare Erkrankungen zu vermeiden sowie MĂ€dchen und Jungs vor dem ersten Geschlechtsverkehr gegen das Humane Papillomavirus (HPV) impfen zu lassen. 

Starke UV-Strahlung vermeiden

  • JĂ€hrlich werden ĂŒber 1 Million FĂ€lle an Hautkrebs diagnostiziert.
  • Es hilft, SonnenbĂ€der sowie Solariumsbesuche zu vermeiden und Sonnenschutz wann immer nötig zu nutzen.

Da Krebs in vielen FĂ€llen durch Zufallsmutationen entsteht, ist Vorbeugung allein jedoch kein hundertprozentiger Erfolgsgarant. Umso wichtiger ist es, bestimmte Krebsarten schon frĂŒh zu erkennen. Denn in der Regel ist es wesentlich leichter, eine effektive Krebsbehandlung in einem frĂŒhen Krankheitsstadium durchzufĂŒhren – anstatt spĂ€ter [5].

In Deutschland werden verschiedene Vorsorgeuntersuchungen zur KrebsfrĂŒherkennung je nach Alter und Geschlecht angeboten. Dies umfasst jĂ€hrliche gynĂ€kologische Untersuchungen samt Zervixabstrich zur GebĂ€rmutterhalskrebsfrĂŒherkennung fĂŒr Frauen ab 20 Jahren sowie eine jĂ€hrliche Untersuchung der BrĂŒste fĂŒr Frauen ab 30 Jahren sowie alle 2 Jahre eine Mammografie fĂŒr Frauen zwischen 50 und 70 Jahren [12].

FĂŒr beide Geschlechter gibt es eine HautkrebsfrĂŒherkennung alle 2 Jahre ab 35 Jahren sowie jĂ€hrliche Stuhlproben ab 50 Jahren mit Darmspiegelung ab 50 bei MĂ€nnern und ab 55 bei Frauen zur DarmkrebsfrĂŒherkennung. MĂ€nner ab 45 Jahren haben zudem Anspruch auf jĂ€hrliche Untersuchungen zur ProstatakarzinomfrĂŒherkennung [12]. 

So wichtig die KrebsfrĂŒherkennung ist, muss man sich dennoch klar machen, dass sie keineswegs fehlerfrei ist. Betroffene können fĂ€lschlicherweise ein positives Ergebnis erhalten und daraufhin unnötige Folgeuntersuchungen ĂŒber sich ergehen lassen. Auch wird etwa 5 aus 1000 Frauen mit positivem Mammografie-Screening die BrustdrĂŒse unnötigerweise komplett oder teilweise entfernt [13, 14].

Alle statistischen HintergrĂŒnde, um sich selbst ein Bild ĂŒber VorzĂŒge und Risiken der FrĂŒherkennung machen zu können, finden Sie hier.

5. Eine akkurate Krebsdiagnostik ist entscheidend

Bei Krebs beruht die Art der Behandlung wesentlich auf einer akkuraten Diagnose. Beispielsweise hĂ€ngt der Einsatz von verschiedenen Chemotherapien maßgeblich davon ab, welcher Zelltyp betroffen ist und ob dieser bestimmte Rezeptoren aufweist. Auch hĂ€ngt die Entscheidung, ob eine komplette operative Entfernung eines Tumors möglich ist, oft von der exakten Lokalisation und Ausbreitung des Tumorgewebes ab [15, 16].

5.1. Symptome einer Krebserkrankung

Bestimmte Symptome können erstes Anzeichen einer Krebserkrankung sein. Allerdings sind einzelne Symptome selten spezifisch fĂŒr Krebs – sie können also auch durch andere Erkrankungen hervorgerufen werden. Auch hĂ€ngen die genauen Symptome in der Regel vom betroffenen Organsystem ab. Ein Lungenkrebs fĂŒhrt dementsprechend zu sehr anderen Beschwerden als ein Prostatakarzinom [4, 9, 17].

Wie bei anderen Erkrankungen auch gilt daher, dass ein neues Symptom – insbesondere wenn es schwerwiegend ist oder lĂ€nger anhĂ€lt – immer von einem Arzt abgeklĂ€rt werden sollte. Mediziner können dann auf Grundlage von Symptomen, Krankengeschichte sowie Risikofaktoren ĂŒber die Notwendigkeit von weiterfĂŒhrenden Untersuchungen und Tests entscheiden. Dies kann Laboruntersuchungen, bildgebende Verfahren und Gewebeproben umfassen [18].

5.2. Was sind Staging und Grading?

Jeder Krebs muss als Teil der Diagnosestellung exakt klassifiziert werden. Hierzu zĂ€hlt auch das sogenannte Staging und Grading. Eines der am hĂ€ufigsten verwendeten Staging-Systeme ist dabei die „TNM-Klassifikation”. Das „T” steht hierbei fĂŒr Tumor und erfasst dessen Ausdehnung. Wichtige Fragen sind, welche Wandschichten der Tumor ĂŒberschritten hat und ob er bereits in Nachbarorgane eingedrungen ist [19].

Das „N” steht fĂŒr Nodus und zielt auf den Befall von Lymphknoten ab. Wurden noch keine Lymphknoten befallen, ist dies prognostisch gĂŒnstig. Das „M” bezieht sich schließlich auf das Vorliegen von Metastasen. Damit ist eine Verschleppung von Tumorzellen in andere Organe gemeint. Je nach Tumorart sind verschiedene Metastasierungswege unterschiedlich typisch [19]. 

Das Grading beschreibt dagegen, wie gut das Tumorgewebe differenziert ist. DafĂŒr werden meist die KĂŒrzel G1 bis G4 verwendet. Weist das Tumorgewebe eine hohe Übereinstimmung (G1) zum Ursprungsgewebe auf, ist dies prognostisch gĂŒnstig. G4 lĂ€ge vor, wenn eine Zuordnung zum Ausgangsgewebe praktisch unmöglich ist [20].

6. Krebstherapie: Behandlungsmethoden

Die Behandlung einer Krebserkrankung hÀngt wesentlich von Art und Eigenschaften (Klassifizierung) der Neoplasie ab. Wurden Staging und Grading abgeschlossen, können die behandelnden FachÀrzte anhand von Leitlinien und in Absprache mit dem Betroffenen eine Behandlung beginnen. Diese kann sich aus verschiedenen Bestandteilen zusammensetzen und folgt einer Reihe von generellen Prinzipien [21].

ZunĂ€chst gilt es, die Zielsetzung der Behandlung klar zu definieren. Dabei geht es um die Frage, ob die Therapie „kurativ”, „palliativ” oder „supportiv” sein soll. WĂ€hrend bei einer kurativen Therapie das Ziel der Heilung verfolgt wird, geht es bei einer Palliativbehandlung eher darum, die Beschwerden zu lindern und die LebensqualitĂ€t zu verbessern. Maßnahmen wie Schmerzbehandlung, Seelsorge oder Therapie der Nebenwirkungen fĂ€llt dagegen in den Bereich der supportiven Therapie [21].

Übersicht: Behandlungsmethoden der Krebstherapie [1]

Krebs-Operation

  • AbhĂ€ngig von Krebsart und -ausdehnung kann ein Tumor in vielen FĂ€llen operativ entfernt werden.
  • Dabei wird entweder das gesamte betroffene Organ oder aber nur Teile davon entfernt.
  • Das entnommene Gewebe geht anschließend stets an einen Pathologen, welcher beurteilt, ob der Tumor im Gesunden oder nicht entfernt worden ist.

→ Sind die ResektionsrĂ€nder frei von Tumorgewebe oder sind Tumoranteile im Körper verblieben?

Chemotherapie

  • Chemotherapeutika, auch Zytostatika genannt, sind eine sehr gemischte Gruppe an Arzneimitteln, die alle zum Ziel haben, sich schnell vermehrende Zellen zu reduzieren.
  • Eine Chemotherapie kann als „neoadjuvante Therapie” vor oder als „adjuvante Therapie” nach einer geplanten OP erfolgen.
  • Der große Nutzen dieser Arzneimittel geht oft mit ausgeprĂ€gten Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen, InfektanfĂ€lligkeit, Haarausfall oder Schleimhautreizung einher.

Strahlentherapie

  • Die Strahlentherapie, auch Radiotherapie genannt, stellt einen weiteren Therapieansatz fĂŒr bösartige Tumorerkrankungen dar.
  • Mithilfe von sogenannter ionisierender Strahlung werden Zellen dabei in ihrer Teilung gehemmt oder sogar zerstört.
  • Die Strahlentherapie kann als sogenannte Teletherapie von außen oder als Brachytherapie von innen (z.B. durch Einbringen von reiskorngroßen Strahlenquellen in ein Zielorgan) durchgefĂŒhrt werden. 

Hormontherapie

  • Bei einigen Krebsarten spricht das Tumorgewebe auf bestimmte Hormone an.
  • So können zum Beispiel in der Behandlung des Prostatakarzinoms die mĂ€nnlichen Geschlechtshormone gehemmt werden.

Biologicals

  • Bei Biologicals handelt es sich um kĂŒnstlich hergestellte Proteine, meist Antikörper, mit denen gezielt auf das Immunsystem eingewirkt werden kann.
  • Da manche Tumorarten bestimmte Rezeptoren ausbilden, kommen diese Arzneimittel zunehmend auch in der Krebstherapie zum Einsatz.

Stammzelltransplantation

  • Eine Stammzelltransplantation kommt oft zum Einsatz, wenn eine Chemotherapie erfolgen muss, die nicht nur die Krebszellen, sondern auch die Stammzellen im Knochenmark tötet.
  • So können dem Betroffenen vor der Chemotherapie Stammzellen entnommen werden, die die Person dann im Anschluss zurĂŒckerhĂ€lt.

7. Leben mit Krebs

Ein Leben mit der Diagnose Krebs ist fĂŒr viele Menschen eine enorme Herausforderung. Zu den gesundheitlichen EinschrĂ€nkungen selbst kommt die stĂ€ndige Ungewissheit darĂŒber, wie es weitergehen wird. Doch gerade weil die Behandlung oft langwierig ist, kommt dem psychischen Durchhaltevermögen eine große Bedeutung zu.

7.1. Krebs und die Psyche

Insgesamt haben etwa 85 % aller Krebspatienten mit psychischen Folgen durch ihre Erkrankung zu tun. Allerdings wird die psychische Belastung nur bei der HĂ€lfte der Krebspatienten bemerkt. Hier besteht also großer Aufholbedarf [22].

Generell ist es extrem wichtig, sich fĂŒr die psychischen Beschwerden frĂŒhzeitig Hilfe zu holen und diese mit dem behandelnden Arzt zu thematisieren. Denn neben der Minderung des Leidensdrucks ist es zudem wichtig herauszufinden, was der Ursprung der psychischen Symptome ist [22].

So kann es sich dabei um eine normale mentale Reaktion auf die lebensbedrohliche Krebserkrankung, um Anzeichen einer neu aufgetretenen bzw. wiederkehrenden psychiatrischen Erkrankung oder aber um eine Manifestation der Krebserkrankung selbst handeln. Metastasieren Tumorzellen ins Gehirn kann dies nĂ€mlich auch zu psychischen Symptomen fĂŒhren [22].

7.2. Auswirkungen auf den Alltag

Wie stark die psychische Belastung und EinschrÀnkung der LebensqualitÀt durch die Krebserkrankung ist, hÀngt wesentlich vom Stadium und der Art des Krebses selbst ab. So sind Menschen mit einem Krebs der Atemwege im Schnitt besonders stark belastet [23].

Ansonsten sind die Beschwerden und tĂ€glichen Herausforderungen natĂŒrlich sehr individuell. Zu den hĂ€ufigsten Beschwerden zĂ€hlen vermehrte Ängstlichkeit und gedrĂŒckte Stimmung, eine BeeintrĂ€chtigung der kognitiven FĂ€higkeiten, andauernde MĂŒdigkeit und Abgeschlagenheit, Trauer, Schlaflosigkeit, Schmerzen sowie sexuelle Funktionsstörungen [22].

Auch bei Menschen, die ihre Krebserkrankung ĂŒberstanden haben, können vermehrt Symptome wie Ängstlichkeit oder DepressivitĂ€t auftreten. Hierbei kann die Angst vor einem Rezidiv eine wesentliche Rolle spielen. Professionelle Hilfe in Form von Psychoedukation ist dann besonders wichtig [24].

7.3. KrebsverlÀufe und Rezidive

Eine Krebserkrankung kann sehr unterschiedlich verlaufen. Es gibt Menschen, bei denen die Erkrankung komplett geheilt werden kann. Bei anderen verlĂ€uft sie chronisch und begleitet sie bis ins hohe Alter. Es gibt rezidivierende VerlĂ€ufe – also solche, wo die Krebserkrankung mehrfach wiederkehrt. Und manche Betroffene versterben innerhalb von kurzer Zeit nach Diagnosestellung [25]. 

Die sogenannte 5-Jahres-Überlebensrate, also die Rate an Menschen, die mindestens 5 Jahre nach ihrer Krebsdiagnose noch am Leben sind, unterscheidet sich stark je nach Krebsart. WĂ€hrend es fĂŒr Prostatakarzinom und Brustkrebs immerhin gut 4 von 5 Betroffenen sind, lebt bei Leber- und Lungenkrebs nicht mal jede zehnte Person nach 5 Jahren [26].

Abbildung zu 5-JahresĂŒberlebensraten nach Krebsart
5-JahresĂŒberlebensraten nach Krebsart

Rezidive können sowohl an der vorherigen Lokalisation als auch an einem anderen Ort im Körper auftreten. Auch ist das Risiko fĂŒr die Entstehung einer weiteren Krebserkrankung nach ĂŒberstandener erster Neoplasie ebenfalls erhöht. Zudem können Chemo- und Strahlentherapie mitunter selbst Krebserkrankungen wie LeukĂ€mien mit einer zeitlichen Verzögerung verursachen [25].

FĂŒr das eigene Schicksal sind dies jedoch nur statistische Durchschnittswerte mit begrenzter Aussagekraft. Auch jemand mit einer ungĂŒnstigen Prognose kann also unter UmstĂ€nden einen guten Verlauf nehmen. Es gibt also immer Anlass zur Hoffnung.

8. Ausblick: Wir machen Fortschritt!

Zwar nimmt die Zahl an weltweiten Krebserkrankungen weiter zu, dies tĂ€uscht jedoch leicht ĂŒber den Fortschritt hinweg, der bereits gemacht worden ist. Denn die steigenden Zahlen beruhen insbesondere auf der generell höheren Lebenserwartung von Menschen – welche mit einer höheren Wahrscheinlichkeit an Krebs zu erkranken einhergeht [27].

Rechnet man das Alter als Faktor raus, dann ist die Sterberate von Krebs in den letzten 30 Jahren dagegen um 15 % gesunken. Das ist kein Riesenerfolg, aber dennoch ein Erfolg. Ein 60-JĂ€hriger verstirbt heute also weniger wahrscheinlich an Krebs als ein 60-JĂ€hriger vor 30 Jahren [27].

Dies hĂ€ngt zum einen damit zusammen, dass fast ein Viertel aller KrebstodesfĂ€lle auf Rauchen zurĂŒckzufĂŒhren ist und der Anteil an Rauchern weltweit zurĂŒckgeht. Zum anderen steigen die 5-Jahres-Überlebensraten fĂŒr zahlreiche Krebserkrankungen laut Forschungsergebnissen, weil es fĂŒr sie heute oftmals eine bessere FrĂŒherkennung sowie Behandlung gibt [27]. 

Am Ende sind Vorbeugung und FrĂŒherkennung also wieder einmal ausschlaggebende Faktoren.

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