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Die KomplexitÀt der menschlichen Psyche

Ein Überblick zu Mental Health und psychischen Erkrankungen

Das Gehirn ist Teil unseres Körpers wie jedes andere Organ auch. Trotzdem sind psychische Erkrankungen in unserer Gesellschaft oft mit einem Stigma behaftet: Psychisches Leid wird als Zeichen von SchwĂ€che abgetan und Stillschweigen bewahrt. Dabei ist es wichtig, offen ĂŒber diese sehr hĂ€ufigen Beschwerden zu reden. Denn fast jeder Mensch wird im Laufe seines Lebens einmal mit einer psychischen Erkrankung in Kontakt kommen. Manche wird es selbst betreffen. Bei anderen sind es Freunde, Kollegen oder Angehörige. Doch alle haben eines gemeinsam: Jeder Mensch kann seine mentale Gesundheit pflegen und stĂ€rken.

1. Was ist mentale Gesundheit?

Wenn Menschen ĂŒber ihre Gesundheit sprechen, dann geht es hĂ€ufig um alle möglichen körperlichen Beschwerden. Der Blutdruck ist zu hoch. Der Magen macht Probleme. Oder der RĂŒcken schmerzt. Doch bei all dem wird ein großer Anteil der eigenen Gesundheit oft ausgeklammert: die Psyche. 

Laut WHO ist mentale Gesundheit ein Zustand des Wohlbefindens, in dem ein Mensch seine eigenen FÀhigkeiten ausschöpfen, mit den normalen Belastungen des Lebens umgehen, produktiv arbeiten und einen Beitrag in seiner Gemeinschaft leisten kann [1].

Die mentale Gesundheit bildet sozusagen das Fundament, auf dem wir unser Leben aufbauen und gestalten können. Im Gegensatz zu körperlichen Beschwerden ist unser seelisches Wohlbefinden jedoch meist schwer zu beschreiben. Ist ein sich aufdrĂ€ngender Gedanke nur eine berechtigte Sorge, Teil des eigenen Charakters oder bereits Anzeichen einer psychischen Erkrankung? 

Zudem ist die strikte Trennung von Körper und Geist irrefĂŒhrend. Nicht umsonst schlĂ€gt unser Herz schneller, wenn wir einen Actionfilm gucken. Viele körperliche Symptome sind also durch die Psyche verursacht oder zumindest beeinflusst. Genauso hat eine anhaltende oder schwere körperliche Erkrankung starke Auswirkungen auf unsere psychische Gesundheit.

1.1. Was ist normal?

Ein Großteil unseres GlĂŒcksempfindens beruht allein auf unseren Genen. Daher gibt es nicht das eine „normal”, was dann fĂŒr alle Menschen gleichermaßen gilt. Es wird immer Menschen geben, die im Schnitt glĂŒcklicher sind als andere. Die gute Nachricht ist: Ein Großteil ist damit aber auch durch das eigene Verhalten und die Umwelt beeinflussbar [2].

Es bietet sich also jeden Tag aufs Neue die Chance, dem eigenen GlĂŒck etwas auf die SprĂŒnge zu helfen. In jedem Fall ist es völlig normal, hin und wieder schlechte Tage zu haben. NatĂŒrlich gibt es unvorhersehbare Lebensereignisse – wie TodesfĂ€lle im Bekanntenkreis oder andere einschneidende Erlebnisse –, wo die Lebensfreude fĂŒr lĂ€ngere Zeit vermindert ist. Auch das ist völlig normal [3].

1.2. Wann eine psychische Erkrankung vorliegt

Psychische Erkrankungen sind hĂ€ufig und können jeden Menschen betreffen. Niemand sollte sich daher mit seinen Beschwerden allein gelassen fĂŒhlen. Im Gegenteil: Es ist wichtig, bei ausgeprĂ€gten oder anhaltenden Beschwerden – wie bei körperlichen Erkrankungen auch – ein persönliches GesprĂ€ch mit einer Fachperson zu suchen. So können Ärzte oder Psychotherapeuten sicherstellen, dass fĂŒr jeden die beste Lösung frĂŒhzeitig gefunden werden kann [4, 5, 6].

Ärzte und Psychotherapeuten helfen dann zu klĂ€ren, ob der Leidensdruck groß ist oder aber schon lĂ€nger andauert. Dabei haben sie neben der betroffenen Person selbst, auch deren Umfeld und soziales Netz im Blick. HĂ€ufig ist professionelle Hilfe von außen ein wichtiger erster Schritt Richtung effektiver Behandlung und Besserung [4, 5, 6].

Der Weg zu einer Diagnose erfordert die Kontaktaufnahme mit einem Arzt oder Psychotherapeuten. In einem GesprÀch werden dann alle wichtigen Beschwerden und die Lebenssituation erfragt. Dabei treten bestimmte psychische Symptome oft gemeinsam auf. Wenn diese eine bestimmte Zeitspanne lang bestehen und Zusatzuntersuchungen erfolgt sind, kann anhand einer internationalen Klassifikation eine Diagnose gestellt werden [4, 5, 6].

Gut zu wissen: NatĂŒrlich sind auch Klassifikationen (mit spezifischen Kriterien) nur Versuche, psychische Erkrankungen besser zu definieren. Diese Einteilungen sind nie perfekt und wie alles in der Wissenschaft einem stĂ€ndigen Wandel unterzogen. Der Vorteil ist jedoch, dass psychisches Leiden hierdurch frĂŒh und von jedem Behandler gleichermaßen erkannt und behandelt werden kann.

1.3. Resilienz: das Geheimnis der psychischen Belastbarkeit

Es gibt Dinge, die das Auftreten einer psychischen Erkrankung unwahrscheinlicher machen können. Der Begriff „Resilienz” beschreibt dabei die WiderstandsfĂ€higkeit einer Person – also die FĂ€higkeit, mit Stress sowie negativen Erlebnissen und Erfahrungen zurecht zu kommen [7].

Die folgenden Faktoren können die WiderstandsfĂ€higkeit einer Person gegenĂŒber psychischen Erkrankungen erhöhen [8-15]:

NatĂŒrlich können bestimmte Faktoren die psychische Gesundheit eines Menschen dagegen eher belasten. Hierzu zĂ€hlen psychische Vorerkrankungen, Alkohol- oder Drogenmissbrauch, traumatische Erlebnisse, extrem stressige Lebensereignisse, Ehekonflikte und Scheidungen, Tod oder Krankheit von nahen Mitmenschen, Mobbing und Anfeindungen, Missbrauchserfahrungen, VernachlĂ€ssigung sowie Armut [8, 9, 13-16]. 

Es ist jedoch sehr wichtig, sich klar zu machen, dass keiner dieser Faktoren allein darĂŒber entscheidet, ob ein Mensch psychisch erkrankt oder nicht. So können stĂ€rkende Faktoren durchaus ĂŒberwiegen, selbst wenn es auch negative EinflĂŒsse im Leben gibt. Denn Menschen haben eine unglaubliche FĂ€higkeit, Widrigkeiten zu ĂŒberwinden und aus ihren StĂ€rken Kraft zu schöpfen.

2. Welche psychischen Erkrankungen gibt es?

Viele Menschen fragen sich, warum es ĂŒberhaupt Sinn macht, mit einer Diagnose ein „Label” auf etwas zu packen und bestimmte seelische ZustĂ€nde als psychische Erkrankung zu bezeichnen. Ein wichtiger Grund ist, dass es fĂŒr die meisten psychischen Erkrankungen heutzutage gute Behandlungsmöglichkeiten gibt. 

Bei fehlender Diagnose und Behandlung können Menschen dagegen unnötig lange auf sich allein gestellt sein. Daher ist es wichtig, stattdessen das Stigma von psychischen Erkrankungen abzubauen und sich klar zu machen, dass jeder Mensch im Laufe des Lebens einmal betroffen sein kann.

Zudem gibt es eine Vielzahl an GrĂŒnden, weswegen man Menschen mit psychischen Erkrankungen nicht in eine Schublade stecken sollte. Der offensichtlichste ist: Die vielen Gruppen der psychischen Erkrankungen sind grundverschieden. Die Herausforderungen, mit denen Betroffene tĂ€glich zu tun haben, könnten also teilweise kaum unterschiedlicher sein. Hier ein Überblick ĂŒber die verschiedenen Gruppen psychischer Erkrankungen:

2.1. Depression, Manie und bipolare Störung

Alle drei zĂ€hlen zu den sogenannten „affektiven Störungen”, bei denen vor allem die Stimmung und der eigene Antrieb verĂ€ndert sind.

Bei Depressionen sind diese typischerweise vermindert. Auch fĂ€llt es Betroffenen hĂ€ufig schwer, sich fĂŒr die Dinge zu interessieren, die ihnen normalerweise Freude bereiten. Andere Symptome wie verminderte Konzentration oder Aufmerksamkeit, ein reduziertes SelbstwertgefĂŒhl und Selbstvertrauen oder aber SchuldgefĂŒhle, Appetitmangel, Schlafprobleme sowie lebensmĂŒde Gedanken können auch auftreten [17]. 

Bei der Manie zeigen Menschen dagegen eine gehobene Stimmung bis zur Distanzlosigkeit und leichter Reizbarkeit. Wechseln sich depressive mit manischen Episoden ab, spricht man von einer bipolaren Störung [18].

Gut zu wissen: Depressive Symptome, die jedes Jahr wĂ€hrend der Herbst- und Wintermonate auftreten, bezeichnet man als saisonale affektive Störung oder kurz Winterdepression. HĂ€ufig geht sie mit einer Gewichtszunahme und vermehrtem SchlafbedĂŒrfnis einher. Hier kann eine Lichttherapie gut helfen [19]. 

2.2. AbhÀngigkeit und Sucht

AbhĂ€ngigkeit und Sucht können durch eine Vielzahl an Substanzen entstehen. Zu den hĂ€ufigsten zĂ€hlen Alkohol, Nikotin, Cannabis sowie bestimmte Medikamente. Dabei können Menschen sowohl psychisch als auch körperlich von Substanzen abhĂ€ngig sein. Sucht ist also keine persönliche Entscheidung. Vielmehr spielen die eigenen Gene nachweislich eine große Rolle [4].

Beim Alkohol gibt es eine Reihe an Kriterien, anhand derer man beurteilen kann, ob eine AbhĂ€ngigkeit vorliegt. In der Regel mĂŒssen davon mindestens drei ĂŒber ein Jahr lang erfĂŒllt sein [20]:

  • Besteht ein starker Drang, Alkohol zu trinken und kann nicht darauf verzichtet werden?
  • Treten körperliche Symptome wie Zittern oder SchweißausbrĂŒche auf, wenn lĂ€ngere Zeit nicht getrunken wird?
  • MĂŒssen immer grĂ¶ĂŸere Mengen getrunken werden, um die gleiche Wirkung zu spĂŒren?
  • Ist die Person nicht mehr in der Lage, nach geringen Mengen zu stoppen?
  • Wird weiterhin getrunken, obwohl sich bereits negative Folgen im Leben entwickelt haben? 
  • Werden andere Interessen und Pflichten wegen des Trinkens vernachlĂ€ssigt?

2.3. HirnschÀdigungen und Demenzen

Mit der FĂ€higkeit zu denken nimmt das Gehirn eine Sonderstellung unter den Organen ein. Andererseits kann es genauso Ă€ußeren und inneren SchĂ€digungen ausgesetzt sein wie alle anderen Organe auch. 

Hierzu zĂ€hlen Krankheitsprozesse wie Tumore oder EntzĂŒndungen, Verletzungen, schĂ€digender Einfluss von Drogen oder Medikamenten, eine Minderdurchblutung durch das Herz-Kreislauf-System, Stoffwechselauswirkungen bei Leber- und Nierenerkrankungen oder ein altersbedingter Verlust an Nervenzellen [21].

All diese Ursachen können das Gewebe und die Zellen des Gehirns vorĂŒbergehend als auch nachhaltig schĂ€digen. Damit einhergehende Auswirkungen auf die psychische Gesundheit eines Menschen sind dann keine Seltenheit [21].

2.4. Psychotische Erkrankungen: Schizophrenie und andere

Es gibt psychische Erkrankungen, bei denen das ganze Erleben einer Person abnorm – und fĂŒr Außenstehende oft schwer nachvollziehbar – verĂ€ndert wird. Dies betrifft die Wahrnehmung, das Denken, das FĂŒhlen und alle anderen Bereiche, die die menschliche Psyche ausmachen [22].

Das bekannteste Krankheitsbild aus dieser Gruppe ist die Schizophrenie. Symptome können zum Beispiel Überzeugungen sein, die mit der RealitĂ€t nicht ĂŒbereinstimmen, oder aber das GefĂŒhl, fremden Gedanken oder einer Willensbeeinflussung ausgesetzt zu sein. Doch auch hier gibt es viele Unterformen. FĂŒr eine genaue Diagnose mĂŒssen also bestimmte Kriterien fĂŒr eine Mindestzeit fortbestehen [22-24]. 

Dies kann fĂŒr Betroffene mit hohem Leidensdruck einhergehen und auch Mitmenschen große Schwierigkeiten im Umgang bereiten. 

2.5. Neurotische Erkrankungen: Angst, Zwang und Psychosomatik

Jeder Mensch kennt Angst und in vielen Situationen ist sie als natĂŒrliche Reaktion absolut angebracht. Ein Krankheitswert besteht jedoch, wenn die Ängste auch fĂŒr Betroffene unbegrĂŒndet und ĂŒbertrieben erscheinen. Dabei können Ängste sowohl als schwer greifbarer Dauerzustand bestehen, spezifisch auf bestimmte Situationen bezogen sein oder sogar mit Panikattacken einhergehen [15]. 

Ähnlich ist es bei ZwĂ€ngen. Betroffenen ist meist bewusst, dass diese keinen höheren Sinn verfolgen. Trotzdem kann ein Zwang nicht einfach unterdrĂŒckt werden. Sie können in Form von Gedanken, Impulsen oder Handlungen auftreten. Auch hier besteht nur Behandlungsbedarf, wenn der Leidensdruck oder die AlltagseinschrĂ€nkungen groß sind [25].

Außerdem ist die menschliche Psyche eng mit dem Körper verknĂŒpft. Einerseits können viele körperliche Beschwerden komplett durch die Psyche ausgelöst werden. Andererseits können auch körperliche Erkrankungen in ihrem Verlauf maßgeblich von der Psyche beeinflusst werden. Auch bei rein körperlichen Beschwerden sollte die Psyche also immer miteinbezogen werden [26].

2.6. Persönlichkeitsstörungen

Persönlichkeitsstörungen beschreiben Verhaltensmuster, die stark von den akzeptierten Normen der Gesellschaft abweichen und tief im Charakter eines Menschen verankert sind [4, 27].

Denn nur weil eine Person bestimmte auffĂ€llige Eigenschaften hat, liegt noch lange keine Persönlichkeitsstörung vor. Am Ende kommt es auf den AusprĂ€gungsgrad und damit folgende Fragen an: FĂŒhrt die Eigenschaft zu Konflikten mit der Umwelt oder aber zu persönlichem Leidensdruck [4, 27]?

Zudem ist eine Persönlichkeitsstörung nichts, was plötzlich kommt und schnell wieder geht. Wichtig ist daher immer, ob die auffÀllige Eigenschaft bereits seit der Jugend bestand [4, 27].

2.7. Ess-, Schlaf- und Sexualstörungen

Die menschliche Psyche kann sich auch maßgeblich auf Ess-, Schlaf- oder Sexualverhalten auswirken. 

So besteht bei der Anorexie die ausgeprĂ€gte Sorge, zu dick zu sein, obwohl gleichzeitig ein messbares Untergewicht vorliegt. Betroffene mit Bulimie sind dagegen normalgewichtig, aber wechseln Heißhunger und Essattacken mit gewichtsreduzierenden Maßnahmen wie Erbrechen, Hungerperioden oder Einnahme von AbfĂŒhrmitteln ab [28]. 

Schlafstörungen können mit verminderter SchlafqualitÀt als auch mit zu viel oder zu wenig Schlaf einhergehen. Dabei treten am hÀufigsten Probleme beim Ein- oder Durchschlafen auf. Auch hier besteht ein Wechselspiel: Schlechter Schlaf wirkt sich auf die Psyche aus. Aber genauso beeinflusst die Psyche den Schlaf [29].

Störungen der Sexualfunktion sind hĂ€ufig und können sowohl körperliche als auch psychische Ursachen haben. Auch hier liegt nur Krankheitswert vor, wenn die betroffene Person einen Leidensdruck verspĂŒrt [30].

3. Was sind die Auswirkungen von Einsamkeit auf die Psyche?

Manche Menschen sind lieber allein als andere. Einsam ist dagegen niemand gern. Denn Alleinsein und Einsamkeit sind zwei verschiedene Dinge. Wie viel Zeit jemand allein verbringt, sagt somit nur begrenzt etwas darĂŒber aus, wie es der Person dabei ergeht. Entscheidend ist, inwiefern die Person wĂ€hrenddessen allein sein wollte [31, 32]. 

Anders als Alleinsein ist Einsamkeit dagegen stets ein negatives GefĂŒhl – vor allem wenn sie lĂ€ngerfristig anhĂ€lt. Und auch in Gesellschaft können Menschen einsam sein. Es kommt also immer darauf an, wie verbunden sich jemand mit seinen Mitmenschen fĂŒhlt. Eine enge Freundschaft ist also oft wichtiger als 20 lose Bekanntschaften [31, 33-37].

Mittlerweile sind die Auswirkungen von Einsamkeit auf die mentale und körperliche Gesundheit gut untersucht. Hierzu zÀhlen [33, 38-49]:

  • Krankenhausaufnahmen im Alter – Bei alten Menschen fĂŒhrt Einsamkeit zu vermehrten Einweisungen in KrankenhĂ€user, Pflegeheime oder andere Einrichtungen. 
  • Lebenserwartung – Einsamkeit im Alter fĂŒhrt im Schnitt zu einer kĂŒrzeren Lebenserwartung.
  • Geistige FĂ€higkeiten – Bei Einsamkeit im Alter ist das Risiko fĂŒr die Entwicklung einer Demenz erhöht.
  • Stimmung und Wohlbefinden – Einsamkeit erhöht das Risiko fĂŒr eine Depression und gleichzeitig erhöhen Depressionen das Risiko fĂŒr Einsamkeit.
  • Suizidgefahr – Diese wird sowohl bei Jugendlichen und Erwachsenen durch Einsamkeit erhöht. 
  • Schmerzwahrnehmung – Einsamkeit fĂŒhrt nachweislich zu einem erhöhten Schmerzempfinden.
  • MĂŒdigkeit und Abgeschlagenheit – Beides ist bei einsamen Menschen im Schnitt erhöht.
  • SchlafqualitĂ€t – Einsamkeit verschlechtert Schlafdauer und -qualitĂ€t.
  • Bluthochdruck – Einsame Menschen neigen im Schnitt eher zu erhöhten Blutdruckwerten.
  • Stresshormone – Das Stresshormon Cortisol ist im Schnitt bei Menschen, die unter Einsamkeit leiden, erhöht.

Menschen sind also soziale Wesen und evolutionĂ€r fĂŒr das Leben in der Gemeinschaft gemacht. Das wirkungsvollste Mittel gegen Einsamkeit sind daher enge, vertrauensvolle Beziehungen. Große Langzeitstudien zeigen eindrucksvoll, inwiefern sich gute Beziehungen nicht nur positiv auf die allgemeine Lebenszufriedenheit, sondern ebenso auf die mentale und körperliche Gesundheit auswirken [50-52].

4. Wie sich die Arbeit auf die Psyche auswirken kann

Heute wird die 40-Stunden-Woche in den meisten westlichen LĂ€ndern als Teil der NormalitĂ€t gesehen. Dabei ist nichts davon in Stein gemeißelt. Weder mehr Arbeit noch weniger. In China gibt es zum Beispiel das „996-System” – die Arbeit von 9 Uhr morgens bis 9 Uhr abends an 6 Tagen in der Woche. Zu Zeiten der industriellen Revolution waren sogar Arbeitstage von 16 Stunden und mehr die Regel [53-55]. 

Wissenschaftler dagegen gehen davon aus, dass Menschen ursprĂŒnglich als JĂ€ger und Sammler nur einen Bruchteil des Tages mit „Arbeit“ verbrachten. Die Zahl der tĂ€glichen Arbeitsstunden ist also stets willkĂŒrlich gewĂ€hlt und eher Ergebnis des aktuellen Zeitgeists [52]. 

FĂŒr die mentale Gesundheit einer Person birgt die Arbeit sowohl Chancen als auch Risiken. Einerseits kann Arbeit dem Leben Sinn und ErfĂŒllung geben, den Raum fĂŒr Gemeinschaft schaffen, ein sicheres Auskommen garantieren sowie Anerkennung verleihen [56]. 

Doch andererseits kann Arbeit Menschen auch von sinnvollen Werten entfremden und sie körperlich wie seelisch ĂŒberlasten. Und auch das Fehlen von Arbeit kann zu einer großen seelischen Herausforderung werden, wenn Menschen ĂŒber Jahre ungewollt ohne Arbeit bleiben [56-58].

4.1. Digitales Arbeiten: Das Home Office und seine TĂŒcken

Die Digitalisierung hat Menschen komplett neue Wege zu arbeiten beschert. Das Home Office ist eine dieser Entwicklungen. Seine VorzĂŒge sind dabei vielfĂ€ltig. Hierzu zĂ€hlen das Einsparen von langen Arbeitswegen, weniger Ablenkung durch Kollegen, eine persönliche Arbeitsumgebung sowie flexiblere Arbeitszeiten. Die Liste ist lang.

In denselben Faktoren liegen aber auch TĂŒcken. Schließlich kann der Arbeitsweg auch mit tĂ€glicher Bewegung einhergehen, die wichtig fĂŒr die Gesundheit ist – auch die psychische. Die Kollegen wiederum bieten regelmĂ€ĂŸige soziale Kontakte. Und sofern das VerhĂ€ltnis gut ist, ermöglicht dies weitere stĂŒtzende Beziehungen im Leben [11, 30]. 

Die Arbeitsumgebung zu Hause mag zwar persönlich sein. Mitunter fĂ€llt es so jedoch schwerer, Arbeit und Freizeit klar von einander zu trennen. Außerdem können bei unzureichender Arbeitsplatzgestaltung zu Hause schnell Fehlhaltungen und Schmerzen entstehen, die dann auch auf die Psyche schlagen [59-61].

Auch neigen Menschen im Home Office eher dazu, mehr zu arbeiten als weniger und auch nach Feierabend keinen klaren Schlussstrich zu ziehen. Dies ist problematisch, denn lange Arbeitszeiten erhöhen nachweislich das Risiko fĂŒr Depressionen [62, 63].

4.2. Burnout und Existenzangst

Fast jeder Mensch erlebt im Laufe des Berufslebens Phasen der Überforderung und Erschöpfung. Das ist völlig normal und muss nicht automatisch Grund zur Sorge sein. Wichtig ist jedoch auch hier der Sache auf den Grund zu gehen und – vor allem bei schweren oder lang andauernden Beschwerden – Hilfe aufzusuchen:

Denn hinter einem sogenannten Burnout steckt oft eine leichte, mittelschwere oder schwere Depression, welche weit mehr Auslöser haben kann als die stressbedingte Überlastung allein. Auch hier ist es daher wichtig, das gesellschaftliche Stigma einer Depression abzubauen. Mit der richtigen Diagnose können Betroffene dann auch schneller eine passende Behandlung und damit den Weg zurĂŒck ins alte Leben finden [4, 64].

Es steht natĂŒrlich völlig außer Frage, dass Arbeit – einschließlich Überforderung und anhaltender Stress – ungesund fĂŒr die psychische Gesundheit sein kann. Insbesondere lange Tages- und Wochenarbeitszeiten erhöhen das Risiko fĂŒr Depressionen und Schlafstörungen. Daher hilft es sehr, bei sich und anderen auf eine gute Work-Life-Balance zu achten [63]. 

Arbeitslosigkeit sowie Angst vor einem Jobverlust können sich ebenfalls ungĂŒnstig auf die mentale Gesundheit auswirken. Insbesondere, wenn Menschen finanzielle ExistenzĂ€ngste haben oder fĂŒr lĂ€ngere Zeit ungewollt ohne Arbeit bleiben, kann dies zur mentalen Belastung werden [65, 66].

5. Wie kann man seine psychische Gesundheit verbessern?

5.1. Tipps fĂŒr die psychische Gesundheit

Erfreulicherweise kann jeder Mensch einen großen Einfluss auf seine mentale Gesundheit ausĂŒben. NatĂŒrlich bringen dabei alle Menschen eigene, ganz persönliche Eigenschaften und Vorerfahrungen mit. Was eine Person stresst, kann fĂŒr eine andere durchaus angenehm sein. Und genauso unterscheiden sich die Dinge, welche einzelnen Menschen guttun und anderen nicht.   

Unterschiede bei den menschlichen GrundbedĂŒrfnissen zwischen verschiedenen Personen Quelle

Einige Maßnahmen haben sich aber fĂŒr alle Menschen als hilfreich erwiesen. Hierzu zĂ€hlen [3, 11, 67-80]:

  • TĂ€gliche Bewegung – Dies verbessert nachweislich den Schlaf, reduziert Stress sowie AngstzustĂ€nde und vermindert das Risiko fĂŒr Depressionen.
  • Ausgewogene ErnĂ€hrung – Eine ErnĂ€hrung, die reich an GemĂŒse, Obst, Ballaststoffen, NĂŒssen und HĂŒlsenfrĂŒchten ist sowie zu viele Kalorien, Fertigprodukte, hohen Salz- oder Zuckergehalt als auch gesĂ€ttigte FettsĂ€uren meidet, ist gĂŒnstig fĂŒr die Gesundheit.
  • Ausreichend Schlaf – Die SchlafqualitĂ€t wirkt sich stark auf die mentale Gesundheit aus. Daher sollte man stets darauf achten, regelmĂ€ĂŸige Einschlafzeiten und ausreichend SchlaflĂ€nge einzuplanen.
  • Entspannung und angenehme AktivitĂ€ten – Dinge wie Achtsamkeitstraining, Yoga oder Meditation können stressabbauend wirken und so nachweislich Angst und DepressivitĂ€t reduzieren. Hier sollte jedoch jeder Mensch ausprobieren, was zu ihm passt. Gleiches gilt fĂŒr angenehme AktivitĂ€ten im Alltag.
  • GĂŒnstige Kontakte fördern – RegelmĂ€ĂŸige, vertrauensvolle Kontakte, die als angenehm empfunden werden, sind gesund (egal ob mit Partner, Freunden, Nachbarn oder Arbeitskollegen).
  • UngĂŒnstige Kontakte vermindern – Zwischenmenschliche Kontakte, die immer wieder zu schlechter Stimmung oder unangenehmen Konflikten fĂŒhren, sind ungĂŒnstig fĂŒr die eigene Gesundheit und sollten geklĂ€rt oder gemieden werden.
  • Finanzielle Situation regeln – ExistenzĂ€ngste wirken sich sehr ungĂŒnstig auf die eigene Gesundheit aus. Sofern möglich, sollten hier Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Eine gemeinnĂŒtzige Schuldnerberatung kann helfen.
  • Suchtmittel minimieren – ÜbermĂ€ĂŸiger Konsum von Alkohol und anderen Suchtmitteln wirkt sich nachweislich negativ auf die psychische Gesundheit aus.
  • TĂ€glich Natur – Es wirkt sich positiv auf die mentale Gesundheit aus, im GrĂŒnen zu wohnen oder wenigstens regelmĂ€ĂŸig Freizeit in der Natur zu verbringen. 
  • LĂ€rm reduzieren – Andauernder LĂ€rm im Alltag erhöht das Stresslevel von Menschen und sollte gemieden werden.

5.2. Wann ist professionelle Hilfe nötig?

Bei der Frage, wann bei seelischen Problemen professionelle Hilfe nötig wird, kommt es immer auf die Situation und den einzelnen Menschen an. Als Faustregel gilt, sich im Zweifel lieber frĂŒher als spĂ€ter einer Fachperson anzuvertrauen. Schon im GesprĂ€ch mit dem eigenen Hausarzt kann ein erster Austausch stattfinden, sinnvolle nĂ€chste Schritte besprochen werden und auch eine Überweisung an einen psychologischen Psychotherapeuten oder Psychiater erfolgen. 

Ob jemand auf die Psyche wirkende Medikamente (die sogenannten Psychopharmaka), eine Psychotherapie oder beides benötigt, kann immer nur nach einem GesprĂ€ch mit einer Fachperson eingeschĂ€tzt werden. Denn wie oben erklĂ€rt, ist vor Einleitung einer Behandlung immer erst die richtige Diagnose entscheidend. 

Sich mit seinen seelischen Beschwerden rechtzeitig an Menschen im eigenen Umfeld sowie Fachpersonen zu wenden, ist dabei aber immer der wichtigste Schritt auf dem Weg zur Besserung. 

Quellen [80]

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