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Coronavirus infiziert – was nun? Bin ich immun oder kann ich mich mehrfach anstecken?

Antikörper – was genau sind sie und wie können sie gegen das Coronavirus helfen?

Immunität gegen Krankheiten

Der menschliche Körper besitzt eine Vielzahl von Mechanismen um auf Krankheitserreger (z.B. Bakterien, Parasiten oder Viren) zu reagieren. So bieten zunächst Haut und Schleimhäute eine natürlich Schutzbarriere. Die verschiedenen Körpersekrete wie Speichel oder Magensaft enthalten Stoffe, welche Krankheitserreger, die diese erste Barriere überwunden haben, abtöten können. Diese Mechanismen gehören zur sogenannten unspezifischen Immunantwort. Darüber hinaus besitzt der Körper die Fähigkeit, sich gegen ganz bestimmte Erreger zu wehren - mit der spezifischen Immunabwehr. Ein entscheidender Baustein hierfür sind Antikörper.

Was sind Antikörper?

Antikörper (auch genannt Immunglobuline, Abkürzung: Ig) sind Proteine, die vom Körper gebildet werden, nachdem Zellen des Immunsystems die Krankheitserreger im Körper entdeckt haben. Diese Antikörper sind maßgeschneidert auf den jeweiligen Erreger und können sich wie Magneten an deren Oberfläche heften. Die somit “markierten” Erreger können sich dadurch schlechter bewegen und werden vom Immunsystem leichter erkannt. Dies hilft dabei die Erreger zu beseitigen, bevor sie sich vermehren und den Körper weiter schädigen können.

Ab wann sind Antikörper im Blut mittels Test nachweisbar?

Erste Antikörper sind normalerweise ab ca. anderthalb Wochen nach dem Eintritt der Krankheitserreger im Blut nachweisbar. Sie werden in verschiedene Klassen unterteilt (IgM, IgE, IgG, IgA, IgD). Die verschiedenen Klassen werden unterschiedlich schnell gebildet und unterscheiden sich in ihrer Funktion und Wirksamkeit. IgM-Antikörper werden bei einer Infektion am schnellsten gebildet. Sie sind die Antikörper fürs “Grobe” und werden im Verlauf der Erkrankung von IgG-Antikörpern ersetzt. Diese wirken spezifischer, können vom Körper in höherer Stückzahl produziert werden und sind lange im Blut vorhanden. So kann der Körper auf eine erneute Infektion schnell und daher häufig auch ohne erneute Krankheitssymptome reagieren.

Antikörper-Diagnostik bei Coronavirus-Infektionen

Antikörper nach durchlaufener Coronavirus-Infektion

Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass dem Immunsystem nach einer durchgemachten Infektion der Erreger gut bekannt ist und spezifische Antikörper im Blut vorhanden sind. Sobald diese also nachweisbar sind, kann man davon ausgehen, dass eine Infektion stattgefunden hat und eine gewisse Immunität besteht. Zwar können bei lange zurückliegenden Infektionen die Antikörper im Blut verschwinden, der fehlende Nachweis von Antikörpern im Blut heißt aber nicht unbedingt, dass es keine Immunität mehr gegen den Erreger gibt. Vielmehr besitzt unser Körper Gedächtniszellen, die im Falle eines erneuten Kontakts mit dem Erreger die Produktion von Antikörpern sofort und schnell wieder anregen können.

Aktueller Stand

Seit einiger Zeit sind nun auch für das neuartige Coronavirus Antikörpertests zugelassen. Da die Herstellung dieser Tests eine gewisse Weile braucht, ist die Zahl der verfügbaren Test derzeit begrenzt, nimmt aber von Woche zu Woche zu. Aktuell gibt es zwei Überlegungen, wie die neuen Antikörpertests eingesetzt werden können: Am häufigsten diskutiert wird der Einsatz als sogenanntes “Screening-Instrument”, um herauszufinden, wie viel Prozent der Bevölkerung die Infektion bereits durchlaufen hat. Man erhofft sich dadurch bessere Informationen über den Verlauf und die Schwere der Pandemie und insbesondere über die “Dunkelziffer” der Erkrankungen. Also derjenigen Menschen, die an dem Virus erkrankt sind, aber nur leichte oder gar keine Symptome entwickelt haben). Diese Untersuchungen werden derzeit nicht bei allen Bürgern durchgeführt, sondern im Rahmen von Studien.

Antikörper-Studien bei Coronavirus

Das Robert Koch-Institut (RKI) führt aktuell beispielsweise drei große Antikörper-Studien bei besonders von Sars-CoV-2 betroffenen Gebieten durch, bei zufällig ausgewählten Personen der Allgemeinbevölkerung und bei Blutspendern durch. [1] Mittels solcher “Querschnittsuntersuchungen” soll bestimmt werden, wie viele Personen sich bereits mit dem neuartigen Coronavirus infiziert haben. Dadurch, dass Personen verschiedener Altersgruppen und Personen aus verschiedenen Teilen Deutschland untersucht werden, lässt sich außerdem besser verstehen, welche Altersgruppen und welche Ortschaften besonders betroffen sind.Das zweite Szenario ist ein indirekter Nachweis einer stattfindenden Infektion. Mittels eines einzigen Tests ist zwar nicht der Zeitpunkt des Kontakts mit dem Virus zu ermitteln - ein Problem bei den sog. “Schnelltests” (s.u.) - jedoch besteht beispielsweise beim “ersten” SARS-Coronavirus die Möglichkeit, über einen deutlichen Anstieg der Antikörperkonzentration in zwei aufeinanderfolgenden Messungen indirekt ein akutes Infektionsgeschehen nachzuweisen.

Antikörpernachweis-Test bei COVID-19

Im Gegensatz zum direkten Nachweis eines Krankheitserreger, wie beispielsweise des Coronavirus aus einem Rachenabstrichs, können die Antikörper nur in einer Blutprobe nachgewiesen werden. Der Nachweis der Coronavirus-Antikörper erfolgt im Reagenzglas, wo die aus dem Blut gewonnenen erregerspezifischen Antikörper an künstliche Eiweiße binden, die wie die Oberfläche des Coronavirus aussehen. Ein solches Verfahren ist kompliziert und erfordert mehrere Arbeitsschritte, die normalerweise in einem Labor durchgeführt werden. Am Ende lautet das Ergebnis dann positiv oder negativ. Ein positiver Befund bedeutet hierbei, dass Antikörper gegen den Erreger gebildet wurden und zumindest teilweise eine Immunität vorliegt. Der Befund aus dem Labor ist in der Regel sehr aussagekräftig. Die gleiche Methode wird auch in sogenannten “Corona-Schnelltests” angewandt. Durch die in den kleinen Testkits stark vereinfachten Arbeitsschritte sind die Ergebnisse jedoch öfter falsch und damit kritisch zu bewerten. Irreführend ist hier auch der Name, denn es kann kein direkter Erregernachweis erfolgen. Die Tests sind normalerweise nur vom Hersteller selbst-zertifiziert, es findet keine Validierung im direkten Vergleich zu bestehenden Labortests statt.

Stärken von Antikörpertests

Sollte die Qualität der Antikörper-Schnelltests in Zukunft steigen, wäre ein breiteres Anwendungsspektrum denkbar:

Screening-Instrument

Neben der Nutzung als Screening-Instrument für Untersuchungen auf Bevölkerungsebene könnte beispielsweise medizinisches Personal gezielt untersucht werden und Personal mit Coronavirus Antikörpern aufgrund einer Immunität gezielt bei COVID-19-Patienten oder Risikogruppen eingesetzt werden.

Immunitätspass

Es gibt derzeit Debatten darüber, ob Personen mit Antikörpern einen “Immunitätspass” erhalten sollen, der die Antikörper gegen das neuartige Coronavirus bestätigt und stärker differenzierte Maßnahmen bei aktuellen oder künftigen Kontakt- und Arbeitsbeschränkungen erlaubt. Mehrere Initiativen erarbeiten derzeit eine technische Grundlage für einen solchen “Pass”. Ob ein solcher Pass zu Diskriminierungen führen kann, welche Daten dort zusätzlich gespeichert werden müssten und wie lange eine Immunität tatsächlich anhält, ist derzeit jedoch noch offen.

Antikörper-Plasmaspende zur Therapie

Die Identifizierung von gesunden Personen, die bereits Antikörper gegen das neuartige Coronavirus haben, könnte bei der Therapie von schwer an COVID-19 erkrankten Patienten helfen. Denn aus dem Blut der wieder genesen Personen können diese Sars-CoV-2-Antikörper gezielt herausgefiltert und den an COVID-19 erkrankten Patienten als Therapie gegeben werden. Dieser Vorgang ist jedoch kompliziert und die Studien hierzu befinden sich noch in einem sehr frühen Stadium.

Wann sind Coronavirus-Antikörper nicht nachweisbar?

Krankheitssymptome durch anderen Erreger

Die häufigsten Symptome einer SARS-CoV-2 Infektion sind laut den Erhebungen des RKI Husten, Fieber und Schnupfen und damit sehr unspezifisch. [2] Ein negatives Testergebnis kann daher auch immer auf eine andere Erkrankung wie beispielsweise die jährliche Grippe hinweisen.

Zu früh getestet

Da die entsprechenden Antikörper erst einige Tage nach Infektion auftreten besteht die Gefahr, dass man “zu früh” testet und somit der Test negativ ausfällt, obwohl man bereits infiziert ist.

Keine Antikörper mehr nachweisbar

In der Regel lässt die Menge an Antikörpern über die Zeit nach, wenn es nicht erneut zu einem Kontakt mit den Erregern kommt. So kann die Menge an Antikörpern so stark reduziert sein, dass sie per Labortest nicht mehr nachweisbar sind. Kein Nachweis bedeutet aber nicht unbedingt, dass auch keine Immunität mehr vorhanden ist. Vielmehr wissen wir, dass unser Immunsystem ein Gedächtnis hat und Antikörper wieder neu produzieren kann, wenn es erneut zu einer Erkrankung kommt.

Immunschwäche

Es gibt Störungen des Immunsystems, welche eine Bildung von Antikörpern erschweren oder gar unmöglich machen. Diese Art von Störungen können z.B. genetisch bedingt sein oder durch medizinische Maßnahmen (Medikamente, Bestrahlung, etc.) verursacht werden. Für betroffene Personen ist es dadurch zum Teil nicht möglich, eine Immunität zu entwickeln.

Ist eine erneute Infektion mit dem Coronavirus möglich?

Inwieweit die Anwesenheit von Antikörpern auch tatsächlich Immunität bedeutet, ist nach derzeitigem Kenntnisstand noch unklar. Insbesondere aufgrund einer Studie aus Südkorea, die von Reinfektionen unter bereits mit SARS-CoV-2 Infizierten berichtete, wurden Zweifel an der Immunität nach Infektion erhoben. [3] Viele Virologen bezweifeln allerdings, dass es sich hier tatsächlich um Re-Infektionen handelte und vermuten, dass das Ergebnis der Studie durch Schwächen der Testmethode zustande gekommen ist. So kann es vorkommen, dass zum Ende der Erkrankung nur noch eine geringe Menge von Viren im Rachen vorhanden sind. Dadurch würden bei Rachenabstrichen teilweise keine Viren auf den Wattestäbchen gefunden werden. Werden bei einem späteren Abstrich dann an anderer Stelle noch zufällig Viren gefunden, kann dies fälschlicherweise als Reinfektion interpretiert werden.

Bis zum Beweis des Gegenteils gilt das Ergebnis der südkoreanischen Studie jedoch als denkbar. Um hier schnell Antworten zu finden hat sich auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eingeschaltet und überprüft die Ergebnisse.

Quellen

[1] https://www.rki.de/DE/Content/Service/Presse/Pressemitteilungen/2020/05_2020.html

[2] Robert Koch Institut (RKI): Statistische Erhebung zu bestätigten SARS-Cov2 Fällen https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/nCoV.html

[3] Ärzteblatt: “WHO untersucht mögliche SARS-CoV-2-Rein­fektionen in Südkorea” https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/111937/WHO-untersucht-moegliche-SARS-CoV-2-Reinfektionen-in-Suedkorea (accessed 14.04.2020)








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