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Die ePA kommt!

Was die elektronische Patientenakte in 2021 bringt

Was die elektronische Patientenakte (ePA) auszeichnet

Was als Begriff ein wenig hölzern daherkommt, ist im Grunde ganz einfach: Die elektronische Patientenakte (ePA) ist ein digitaler Ablageort, in dem BĂŒrger und medizinisches Personal Gesundheitsinformationen als Kopie speichern können [1]. 

Man kann es sich ein bisschen vorstellen wie ein Dropbox-Ordner, mit dem Menschen persönliche Informationen einsehen, speichern und eben teilen können. Denn Ă€hnlich wie beim Verwalten von Urlaubsfotos ist der praktische Nutzen enorm. Nur garantiert die ePA natĂŒrlich höchste Sicherheitsstandards, da es sich um sensible Gesundheitsdaten handelt.

Die Originaldaten verbleiben zudem immer beim „Leistungserbringer“, der die Daten erzeugt hat. TrĂ€gt also zum Beispiel ein Hausarzt die Befunde einer körperlichen Untersuchung in das IT-System seiner Praxis ein, bleiben die Daten dort hinterlegt. Jedoch kann nun zusĂ€tzlich eine Kopie in die ePA ĂŒbertragen werden [1, 2].

Eine weitere Besonderheit liegt in der „Patienten-gefĂŒhrten” Handhabung. So entscheidet jeder Mensch selbst, ob ĂŒberhaupt eine ePA angelegt und gefĂŒhrt werden soll – oder eben nicht. Und auch wenn man sich entscheidet, bei seiner Krankenkasse eine ePA fĂŒr sich erstellen zu lassen, bleibt die Einzelperson weiterhin in Kontrolle [3, 4]. 

Denn kĂŒnftig kann jeder Mensch selbst darĂŒber entscheiden, welche Daten in der ePA von wem hinterlegt und eingesehen werden können. Die ZĂŒgel werden also zu keinem Zeitpunkt aus der Hand gegeben. 

Aktuell ist jedoch erstmal nur der Startschuss erfolgt. Das System der ePA befindet sich immer noch im Aufbau und bisher können nur ausgewĂ€hlte Ärzte im Rahmen einer Testphase vereinzelt Daten darauf ablegen. Es wird also noch eine kleine Weile dauern, bis alle FunktionalitĂ€ten verfĂŒgbar sind und die ePA endgĂŒltig aus ihren Kinderschuhen herauswĂ€chst [1]. 

Doch das ist bereits absehbar:

Abbildung Ablauf der ePA-EinfĂŒhrung in Deutschland 2021 – Stufenplan
Stufenplan der ePA-EinfĂŒhrung 2021 als Abbildung Original Quelle

Riesiges Potenzial: die Daten der ePA

Aktuell mag die ePA noch nicht beeindrucken. So erwarten einen nach Aktivierung lediglich die eigenen Stammdaten wie Name, Krankenkasse und Geburtsdatum. Zudem kann man Dokumente erstmal nur selbst eingescannt hochladen. Doch der magere Ersteindruck tĂ€uscht gewaltig [1-3]. 

Denn durch die anfangs ĂŒberschaubaren Funktionen der ePA kann man schnell unterschĂ€tzen, wie groß die Möglichkeiten einmal sein werden. Und schon bald könnten mit jeder weiteren Funktion Schlag auf Schlag neue Vorteile entstehen.

Welche Daten sind gemeint

Das langfristige Ziel ist dabei klar. SĂ€mtliche Gesundheitsdaten wie Befunde, Diagnosen, geplante Therapiemaßnahmen oder Behandlungsberichte können in der ePA gespeichert und verwaltet werden. Wie erfolgreich frĂŒhere Behandlungen verliefen und wie die Blutwerte damals waren, könnte also kĂŒnftig ĂŒber Praxis- und Krankenhausgrenzen hinweg geteilt werden [1, 3, 4].  

Bis das umfassende Komplettpaket verfĂŒgbar ist, wird man die Funktionen zunĂ€chst schrittweise erweitern. Dabei werden als erstes Impfpass, Mutterpass sowie Zahn-Bonus-Heft und „U-Heft” fĂŒr Kinder in der ePA einsehbar sein. Die Zeiten, in denen man seinen Impfpass verlieren kann, nĂ€hern sich also einem Ende [2]. 

Mittelfristig ist dann angedacht, auch Informationen ĂŒber komplexe Behandlungen von mitunter langwierigen Erkrankungen in der ePA verwalten zu können. Dies kann zum Beispiel die bereits ĂŒblichen „Disease-Management-Programme” umfassen [5]. 

Bei Letzteren handelt es sich um strukturierte Behandlungsprogramme fĂŒr chronische Krankheiten wie Brustkrebs, Diabetes, Asthma und andere. Diese systematischen Programme ermöglichen bessere Behandlungsergebnisse durch eine leitliniengerechte Therapie und koordinierte Maßnahmen aller Behandler [6].

Gut zu wissen: Nicht nur dass Patienten kĂŒnftig bestimmen, wer ihre Daten wie lange einsehen darf. Sie entscheiden auch, welche Daten – zum Beispiel nach einem Arztbesuch – ĂŒberhaupt in die ePA aufgenommen oder wieder gelöscht werden [2, 3].

Alle Daten in der ePA sind zudem verschlĂŒsselt, sodass niemand ohne Berechtigung Einblick erlangen kann. FĂŒr Datenschutz und Datenverarbeitung ist dabei der jeweilige Anbieter, also die zustĂ€ndige Krankenkasse verantwortlich [1].

Viele Vorteile in naher Zukunft

Jeder, der schon einmal ein grĂ¶ĂŸeres gesundheitliches Problem durchgemacht hat, kennt es: WĂ€hrend die eigenen Beschwerden schon genug Energie rauben, muss man sich oft zusĂ€tzlich von Behandler zu Behandler hangeln. Das kostet Kraft.

Denn fĂŒr die passende Behandlung braucht es oft verschiedene Akteure des Gesundheitssystems. Das können niedergelassene Ärzte, Kliniken, ambulante PflegekrĂ€fte, ZahnĂ€rzte, Hebammen, Physio- oder Psychotherapeuten und viele mehr sein [7]. 

Stand heute tauschen sich diese per Fax oder Brief aus. Viele Infos muss man dennoch mehrfach erzĂ€hlen und verpasst so womöglich die Chance, wichtiges hinzuzufĂŒgen. Zudem mĂŒssen Bildgebungsverfahren hĂ€ufig mehrfach durchgefĂŒhrt werden, weil die CD mit den zugehörigen Daten entweder nicht rechtzeitig angekommen ist oder schlicht nicht erkannt wird [7, 8]. 

All das kann frustrierend sein. Und fĂŒr all das bietet die ePA einen praktischen Ausweg.

Denn ĂŒber die ePA bekommen Patienten nun einen direkten Zugang zu all ihren Gesundheitsdaten. Somit können sie sich jederzeit einen Überblick ĂŒber ihren Medikationsplan, ihre Diagnosen und vieles mehr verschaffen [1, 4, 9]. 

Aber damit nicht genug: Sie können fortan zudem alle relevanten Daten unmittelbar mit weiteren Behandlern teilen, wenn sie zum Beispiel einen anderen Arzt aufsuchen. FĂŒr medizinisches Personal wird es so möglich, alle Informationen bei Bedarf digital und schnell einzusehen [1, 4, 7, 9].

Auch können sich Ärzte nach erfolgter Zustimmung einen guten GesamtĂŒberblick ĂŒber den Gesundheitszustand einer Person verschaffen. Damit können sie besser und mit mehr Zeit auf die individuellen BedĂŒrfnisse ihrer Patienten eingehen. Insgesamt wird der Austausch zwischen Behandlern damit kĂŒnftig schnell, sicher und unkompliziert [1, 7, 9].

Um diesen Austausch reibungslos zu ermöglichen, mĂŒssen jedoch alle medizinischen ePA-Daten erst noch standardisiert werden – und dabei auch dem gleichen Standard entsprechen. HierfĂŒr ist die KassenĂ€rztliche Bundesvereinigung (KBV) gesetzlich verpflichtet worden, weswegen sie diese Standards („medizinische Informationsobjekte oder MIOs“) kĂŒnftig definieren wird [2, 5].

Abbildung Fallbeispiel zu vernetzter ePA-Nutzung zwischen Krankenwagen, Krankenhaus, Hausarzt und Apotheke
ePA-Nutzung von verschiedenen Behandlern als Abbildung Original Quelle

Einen weiteren Vorteil bietet die Möglichkeit zur Datenspende. So können alle Menschen mit ihren Gesundheitsdaten einen Beitrag zur Forschung leisten und dabei trotzdem anonym bleiben [7, 8].

So kann es losgehen

Wer von Anfang an bei der ePA dabei sein möchte, kann bereits seit 1. Januar loslegen [4, 5, 8].

Als erster Schritt steht die Kontaktaufnahme mit der eigenen Krankenkasse an. Entweder man lĂ€sst sich daraufhin einen Link zuschicken oder sucht die entsprechende App auf eigene Faust im Appstore. Nachdem die App erfolgreich auf Smartphone oder Tablet heruntergeladen wurde, steht als nĂ€chstes die Identifikation als Kassenmitglied an [1]. 

Je nach Krankenkasse kann dieser Schritt variieren. WĂ€hrend bei einigen Anbietern fĂŒr die Identifikation zur Zeit noch ein persönlicher Termin erforderlich ist, schicken andere die Zugangsdaten auf dem Postweg zu. Anschließend kann das sogenannte Selfie-Ident-Verfahren in der App erfolgen – in der Regel durch einen externen Dienstleister [1].

Die ePAs selbst werden von etablierten IT-Unternehmen wie IBM und RISE angeboten. Die Firmen arbeiten also im Auftrag der Krankenkassen. Das genaue Regelwerk rund um Aufbau und Handhabung der ePA wird dagegen von der gematik festgelegt. Diese liegt mehrheitlich in der Hand des Bundes. Möchte ein IT-Unternehmen Teile der ePA bauen, muss es zuvor von der gematik zertifiziert werden [5]. 

Was als nÀchstes kommt

Sich die ePA aufs Smartphone zu holen, lohnt. Denn bei der aktuell noch abgespeckten Form wird es nicht lange bleiben. Schon im Laufe dieses Jahres werden schrittweise alle niedergelassenen Ärzte an die hierfĂŒr notwendige „Telematikinfrastruktur” angeschlossen. Dies erfolgt ĂŒber sichere Konnektoren [1, 4, 7]. 

Somit können niedergelassene Ärzte die ePA zunehmend im Auftrag von Patienten mit Gesundheitsinformationen fĂŒllen. Ab Mitte des Jahres werden dann auch Apotheken und KrankenhĂ€user ĂŒber ein Ă€hnliches System (Konnektoren) an die Telematikinfrastruktur angeschlossen [1, 7, 10]. 

Auch fĂŒr Menschen, die nicht ĂŒber ein Smartphone oder Tablet verfĂŒgen, wird es Mitte des Jahres einfacher. Ab Juli 2021 können Versicherte ihre ePA nĂ€mlich auch direkt in der Arztpraxis nutzen. Niemand wird also ausgeschlossen [1, 3, 4, 8].

Der Startschuss zu Jahresbeginn wird also nicht der letzte Meilenstein bleiben. 

Die Inhalte dieses Artikels geben den aktuellen, wissenschaftlichen Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder und wurde nach bestem Wissen und Gewissen verfasst. Dennoch kann der Artikel keine medizinische Beratung und Diagnose ersetzen. Bei Fragen wenden Sie sich an Ihren Allgemeinarzt.

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