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HPV-Impfung im Kampf gegen Krebs

Risiko fĂŒr GebĂ€rmutterhalskrebs um fast 90% gesenkt

HPV-Viren und Krebs

Mit dem Thema HPV-Infektion kommen die meisten Menschen irgendwann in Kontakt. Schließlich handelt es sich um eine der hĂ€ufigsten sexuell ĂŒbertragbaren Erkrankungen (STD) ĂŒberhaupt. Grob geschĂ€tzt ist immerhin jede dritte Person mit mindestens einem HPV-Virustyp infiziert [1].

Was Humane Papillomaviren sind

Es gibt nĂ€mlich nicht das eine Humane Papillomavirus. Stattdessen sind Humane Papillomaviren (HPV) eine Familie von ĂŒber 200 verschiedenen Virustypen. Über 40 davon befallen die Genitalien oder den Anus. Zu ihren Gemeinsamkeiten zĂ€hlt neben dem sexuellen Übertragungsweg auch der Ă€hnliche Virusaufbau und die Eigenschaft, Haut oder Schleimhautzellen bei Menschen zu befallen [2-4].

Vor der PubertĂ€t ist eine HPV-Infektion dementsprechend untypisch und sollte Ärzt:innen immer hellhörig machen. Es ist jedoch auch eine Übertragung ĂŒber ein gemeinsam genutztes Handtuch oder wĂ€hrend der Geburt möglich [2, 5]. 

In der Mehrzahl der FĂ€lle bleibt eine Infektion jedoch ohne Symptome. Das ist einerseits erfreulich fĂŒr Betroffene und geht andererseits mit dem Problem einher, so unbemerkt weitere Menschen zu infizieren. Denn auch ohne Krankheitszeichen sind Betroffene fĂŒr andere Menschen ansteckend. Zumal Kondome zwar das Risiko deutlich reduzieren, aber keineswegs einen hundertprozentigen Schutz bieten [2, 6].

Immerhin ist unser Immunsystem in der Lage, die meisten HPV-Infektionen wieder innerhalb von 12 Monaten zu eliminieren. Umso stĂ€rker das Immunsystem ist und umso weniger Risikofaktoren vorliegen, desto höher sind auch die Chancen dafĂŒr. Gelingt dies jedoch nicht, kann das Virus entweder in eine sogenannte „Latenzphase” – ein Art Winterschlaf – gehen oder es kommt zu Beschwerden: genauer gesagt Warzen, Krebsvorstufen oder Krebs [4].

Je nach HPV-Subtyp sind die verschiedenen Krankheitsfolgen unterschiedlich wahrscheinlich. So oder so sollten HautlÀsionen im Genital- oder Analbereich immer abgeklÀrt werden. Doch wirklich niemand sollte sich deswegen schÀmen. Denn die Wahrscheinlichkeit, irgendwann in seinem Leben von Anal- oder Genitalwarzen betroffen zu sein, liegt bei 5 bis 10 % [1, 4].

Welche Krebsarten entstehen können

Wie erwĂ€hnt können Humane Papillomaviren (HPV) jedoch auch zur Krebsentstehung beitragen. Dabei ist entscheidend, ob es dem Virus gelingt, seine DNA in das Genom der infizierten Zelle zu schleusen und ablesen zu lassen. Wie fĂŒr Krebszellen typisch können sich die Zellen daraufhin unkontrolliert vermehren [7, 8].

Eine HPV-bedingte Krebsentstehung ist folglich nur an Stellen möglich, wo die Viren Körperzellen infizieren können. Hierzu zÀhlen GebÀrmutter, Vagina und Vulva bei Frauen, der Penis bei MÀnnern sowie Anus, Mund, Rachen und Kehlkopf bei beiden Geschlechtern [9-11].

Lange Zeit waren FrĂŒherkennung und Vorsorgemaßnahmen dabei die einzige Chance, rechtzeitig gegenzuwirken. So konnten AuffĂ€lligkeiten noch in einem Stadium bemerkt werden, wo es sich um eine gut behandelbare Krebsvorstufe oder zumindest um einen noch nicht invasiven Krebs handelte. 

Im Falle der GebĂ€rmutter gelang dies durch die ab dem 20. Lebensjahr empfohlenen FrĂŒherkennungsuntersuchungen mit dem sogenannten „PAP-Abstrich”. Gerade in Ă€rmeren LĂ€ndern war diese Art des Screenings jedoch nicht immer möglich. Doch Ende der Nullerjahre zeichnete sich ein neuer Hoffnungsschimmer ab [12-14]:

Die HPV-Impfung

Mittlerweile gibt es bereits drei verschiedene Impfstoffe gegen eine HPV-Infektion. Diese zielen auf die wichtigsten HPV-Subtypen ab. Es ist nĂ€mlich bekannt, dass es unter den ĂŒber 200 HPV-Subtypen ein paar „Hauptverantwortliche” gibt – die also einen Großteil aller Komplikationen „im Alleingang” verursachen [4]:

Abbildung mit HPV-Subtypen und zugehöriger Krebsart
Die wichtigsten HPV-Typen im Überblick

Was die Impfung bringt

Auch wenn die Impfstoffe also keineswegs alle HPV-Subtypen abdecken, geht damit fĂŒr die Einzelperson trotzdem eine erhebliche Risikoreduktion einher. Zumal in Summe – also wenn sich viele Menschen impfen lassen – ein immenser kollektiver Effekt entstehen kann. Denn auf diese Weise wird es immer unwahrscheinlicher, sich bei anderen Menschen mit problematischen HPV-Subtypen zu infizieren [15].

Dies bewog die WHO dazu, eine Initiative auszurufen, die es sich zum Ziel macht, GebÀrmutterhalskrebs weltweit zu eliminieren. Denn gerade bei dieser Art von Krebs liegt nahezu immer eine HPV-Infektion zugrunde [16].

Allerdings wirken die aktuell verfĂŒgbaren Impfstoffe ausschließlich prophylaktisch. Das heißt, sie verhindern, sich ĂŒberhaupt erst mit dem entsprechenden HPV-Subtyp zu infizieren. Ist jemand bereits infiziert, sind die Impfstoffe wenig hilfreich. Dem Alter bei Impfung kommt also eine entscheidende Rolle zu [17].

Wem die Impfung wann empfohlen wird

Daher sollte die Impfung im Idealfall noch vor dem ersten Geschlechtsverkehr durchgefĂŒhrt werden. Die StĂ€ndige Impfkommission (STIKO) des RKI empfiehlt daher, die HPV-Impfung im Alter von 9 bis 14 Jahren durchzufĂŒhren [6].

Dabei handelt es sich zunĂ€chst um zwei Impfungen mit einem Abstand von mindestens 5 Monaten. Ist der Abstand geringer oder wird die Impfserie erst mit ĂŒber 14 Jahren begonnen, ist noch eine dritte Impfdosis notwendig [18].

WĂ€hrend die HPV-Impfung bei EinfĂŒhrung zunĂ€chst nur fĂŒr MĂ€dchen vorgesehen wurde, besteht die Impfempfehlung seit 2018 auch fĂŒr Jungen. Da GebĂ€rmutterhalskrebs bei Frauen immerhin die vierthĂ€ufigste Krebserkrankung ist, hatte man sich zunĂ€chst auf Impfung fĂŒr MĂ€dchen fokussiert [6, 16].

Jedoch profitieren auch Jungen in ihrem gesamten spĂ€teren Leben von der Impfung (siehe Tabelle oben) und schĂŒtzen zudem mit ihrer ImmunitĂ€t indirekt die Frauen [15].

Wie immens dieser schĂŒtzende Effekt durch die HPV-Impfung wirklich ist, konnte mittlerweile immer besser belegt werden:

Neue Studien zur HPV-Impfung belegen Durchbruch

In einer hochrangig publizierten Studie wurde nĂ€mlich jĂŒngst untersucht, inwieweit die bei MĂ€dchen in England 2008 begonnenen HPV-Impfungen sich im Verlauf auf die Entstehung von Krebsvorstufen und Krebs der GebĂ€rmutter ausgewirkt haben [14, 19].

Wie sich herausstellte, war der Effekt am grĂ¶ĂŸten, je frĂŒher die Impfung bei den MĂ€dchen erfolgte. So fĂŒhrte eine HPV-Impfung im Alter von 12 bis 13 zu einer Risikoreduktion fĂŒr GebĂ€rmutterhalskrebs um 87 % und fĂŒr seine Vorstufen um sogar 97 % im Vergleich zu einer nicht geimpften Kontrollgruppe [14, 19].

Waren die MĂ€dchen bei der Impfung dagegen schon 16 bis 18 Jahre alt, so bestand zwar immer noch eine Risikoreduktion. Diese fiel jedoch etwas geringer aus (34 % gegenĂŒber dem GebĂ€rmutterhalskrebs; 39 % bezĂŒglich der Vorstufen) [14, 19].

Nicht umsonst bezeichneten die Wissenschaftler:innen die Ergebnisse als spektakulÀr. Denn die Berechnungen ergaben, dass zwischen 2008 und 2019 mithilfe der HPV-Impfungen allein in England 448 FÀlle von GebÀrmutterhalskrebs und 17.235 FÀlle von Krebsvorstufen verhindert werden konnten [14, 19].

Zukunft von HPV als Geschlechtskrankheit

Dieser Effekt dĂŒrfte sich kĂŒnftig noch einmal wesentlich verstĂ€rken. Grund ist, dass damals ein HPV-Impfstoff verwendet wurde, der lediglich die HPV-Subtypen 16 und 18 abgedeckt hat. Mittlerweile ist jedoch auch ein Impfstoff verfĂŒgbar der gegen insgesamt neun Subtypen wirksam ist [17, 19].

Hinzu kommt der verstĂ€rkte Effekt durch die zusĂ€tzlichen Impfungen bei Jungen und die ausgebauten BemĂŒhungen, die HPV-Impfungen auch international zu etablieren. So rĂŒckt die Welt der HerdenimmunitĂ€t ein ganzes StĂŒck nĂ€her [15, 16].

Und auch fĂŒr alle, die fĂŒr die bisher verfĂŒgbaren (prophylaktischen) HPV-Impfstoffe bereits zu alt sind, gibt es Hoffnung. Eine Impfung, die auch therapeutisch – also bei schon bestehenden LĂ€sionen – eingesetzt werden kann, ist bereits in der Entwicklung [17, 20].

Die Inhalte dieses Artikels geben den aktuellen wissenschaftlichen Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder und wurden nach bestem Wissen und Gewissen verfasst. Dennoch kann der Artikel keine medizinische Beratung und Diagnose ersetzen. Bei Fragen wenden Sie sich an Ihren Allgemeinarzt.

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