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Public Health

Kollektive Maßnahmen machen den Unterschied

Menschen des 21. Jahrhunderts leben im Schnitt ein deutlich lĂ€ngeres und gesĂŒnderes Leben, als dies unseren Vorfahren vor einigen Jahrhunderten oder sogar Jahrtausenden vergönnt war. Grundlage hierfĂŒr ist nicht etwa nur die Entwicklung neuer Diagnostik- und Behandlungsmöglichkeiten. Denn ein wesentlicher Effekt ergab und ergibt sich durch sĂ€mtliche Maßnahmen, die eine Gesellschaft zur Vorbeugung von Krankheiten und Verbesserung von Gesundheit unternimmt. All dies ist das Feld der sogenannten „Public Health”.

1. Definition von Public Health

Der Begriff „Public Health” wurde bereits auf verschiedenste Weise definiert. Wesentliche Schwierigkeiten bei der genauen Festlegung der Definition entstanden durch die viel diskutierten Fragen [1]:

  • Was genau sind die Grenzen von Public Health?
  • Wie steht Public Health in Bezug zur medizinischen Versorgung, sozialen Sicherungssystemen sowie Arbeitsschutzmaßnahmen?
  • Welche wirtschaftlichen und sozialen Variablen (wie z.B. Einkommen oder Wohnsituation) sollten bei Fragen der Public Health berĂŒcksichtigt werden? 

Dementsprechend unterscheiden sich viele Definitionen darin, welche Unterpunkte sie explizit erwÀhnen oder eben auslassen [1-3].

Eine Gemeinsamkeit aller Definitionen ist jedoch der Aspekt, dass sich die Definition an den Zielen von Public Health – nĂ€mlich der Vorbeugung von Krankheiten und der Verbesserung von Gesundheit – orientiert [1, 4, 7]. 

Eine simple Definition, die keineswegs den Anspruch erhebt, die einzig wahre zu sein, wÀre zum Beispiel [1]:

„Public Health umfasst sĂ€mtliche kollektiven Maßnahmen zur nachhaltigen Verbesserung der Gesundheit der Bevölkerung.”

Um sich zu verdeutlichen, welche Bereiche und Unterpunkte all dies beinhalten kann, hilft der Blick auf die Aufgaben von Public Health [3].

2. Die Aufgaben von Public Health

Da es keine in Stein gemeißelte Definition von Public Health und der Grenzen dieses Forschungsfeldes gibt, wird auch der Aufgabenbereich von Fachleuten unterschiedlich weit ausgelegt. Grundlegende Prinzipien sind jedoch [1-3, 5]:

  • die Betonung der kollektiven Verantwortung fĂŒr die Gesundheit und der vorrangigen Rolle des Staates beim Schutz und bei der Förderung der Gesundheit der Bevölkerung→ Wegen des Ausmaßes der Herausforderungen sollte der Staat – neben zahlreichen Institutionen – somit wesentlicher Treiber sein.
  • die Konzentration auf ganze Bevölkerungsgruppen→ Anders als bei einem Arztbesuch geht es hier also weniger ums Individuum und mehr um die Gesellschaft als Ganzes. Am Ende profitieren alle von den Maßnahmen.
  • die Betonung der PrĂ€vention, insbesondere der sogenannten PrimĂ€rprĂ€vention→ Weit effektiver als die Behandlung von bestehenden Erkrankungen ist ihre Vorbeugung. Bei der primĂ€ren PrĂ€vention soll das Neuauftreten einer Krankheit verhindert werden. Beispiele sind Impfungen und Lifestyle-Maßnahmen wie Raucherentwöhnung.
  • die BerĂŒcksichtigung der zugrunde liegenden sozioökonomischen Determinanten von Gesundheit und Krankheit sowie der nĂ€heren Risikofaktoren→ Um Krankheiten effektiv vorbeugen zu können, ist es elementar zu verstehen, welche LebensumstĂ€nde Krankheit auslösen – und wie stark ihr Effekt ist.
  • eine multidisziplinĂ€re Grundlage, die gegebenenfalls quantitative und qualitative Methoden einbezieht→ Da das Forschungsfeld so groß ist und nahezu alle Lebensbereiche einbeziehen kann, gibt es nicht „den einen Spezialisten fĂŒr alles”. Vielmehr braucht es stets den engen Austausch zwischen verschiedenen Fachrichtungen und das Hinzuziehen verschiedenster Studientypen.
  • eine Partnerschaft mit den jeweiligen Bevölkerungsgruppen→ Gute Forschung funktioniert nicht einseitig. Um die Auslöser und Determinanten von Gesundheit wirklich verstehen zu können, braucht es daher gute Kommunikation mit allen Beteiligten – auch der Bevölkerung selbst.

Eine praktische Übersicht zu all den verschiedenen Aspekten, die mit dem Forschungsfeld der Public Health einhergehen, bietet folgende Abbildung:

Abbildung zu den Kernbereichen der Public Health
Kernbereiche der Public Health

3. Public Health – Ziele

Die beiden ĂŒbergeordneten Ziele von Public Health sind die Vorbeugung von Krankheiten und die Verbesserung von Gesundheit. Da diese jedoch relativ allgemein sind, braucht es zahlreiche untergeordnete Ziele, um die Hauptziele zu erreichen [1, 4, 7].

Hierzu zÀhlen [1, 6]:

  • das Monitoring des Gesundheitszustands zur Ermittlung von Gesundheitsproblemen in der Bevölkerung→ Nur wenn engmaschig nachvollzogen wird, welche Krankheiten in welcher HĂ€ufigkeit und AusprĂ€gung in der Bevölkerung vorliegen, kann ein ProblemverstĂ€ndnis mit der Ausarbeitung von passenden Lösungsstrategien gelingen. Das Ziel, als Land ĂŒber hochwertige Krebsregister zu verfĂŒgen, wĂ€re hierfĂŒr ein Beispiel.
  • Diagnose und Untersuchung von Erkrankungen und Gesundheitsrisiken in der Gesellschaft→ In diesem Punkt zeigt sich, wie eng der Bereich Public Health mit der tĂ€glichen Arbeit von Ärzt:innen verzahnt ist. Denn nur wenn Erkrankungen standardisiert diagnostiziert werden, kann man auf die Fallzahlen in der Bevölkerung am Ende vertrauen. Ein Ziel wĂ€re hier also die GewĂ€hrleistung einer guten Gesundheitsversorgung in allen Regionen des Landes.→ In diesem Punkt zeigt sich, wie eng der Bereich Public Health mit der tĂ€glichen Arbeit von Ärzt:innen verzahnt ist. Denn nur wenn Erkrankungen standardisiert diagnostiziert werden, kann man auf die Fallzahlen in der Bevölkerung am Ende vertrauen. Ein Ziel wĂ€re hier also die GewĂ€hrleistung einer guten Gesundheitsversorgung in allen Regionen des Landes.
  • die Menschen ĂŒber Gesundheitsfragen zu informieren, aufzuklĂ€ren und zu befĂ€higen→ Dies ist das große Feld der Gesundheitskommunikation. Und auch hier gibt es nicht eine verantwortliche Berufsgruppe. Ärzt:innen, Wissenschaftler:innen, Journalist:innen und viele mehr können hier eine entscheidende Rolle spielen. Dies zu fördern ist ein wichtiges Ziel.
  • Mobilisierung von Partnerschaften in der Gemeinschaft zur Ermittlung und Lösung von Gesundheitsproblemen→ Um von allen InformationsflĂŒssen und Erkenntnissen zu profitieren, ist der gegenseitige Austausch aller Player unverzichtbar. Ein wichtiges Ziel. 
  • Entwicklung von Strategien und PlĂ€nen zur UnterstĂŒtzung der individuellen und gemeinschaftlichen GesundheitsbemĂŒhungen→ Selbst wenn bestimmte Erkenntnisse ĂŒber Krankheitsrisiken gewonnen wurden, mĂŒssen diese immer noch in die Praxis umgesetzt werden und so die Einzelperson erreichen. 
  • Durchsetzung von Gesetzen und Vorschriften zum Schutz der Gesundheit und zur GewĂ€hrleistung der Sicherheit→ Bestimmte Bereiche haben eine solch große Tragweite bei gleichzeitigem Missbrauchspotenzial, dass hier staatlich durchgegriffen werden muss. Mindeststandards bei der TrinkwasserqualitĂ€t wĂ€ren hierfĂŒr ein Beispiel.
  • Menschen mit den erforderlichen persönlichen Gesundheitsdiensten in Verbindung bringen und die Bereitstellung von Gesundheitsdiensten sicherstellen, wenn diese sonst nicht verfĂŒgbar sind→ Selbst wenn es bestimmte Gesundheitsdienste – wie beispielsweise Sexualkliniken oder Familienberatungsstellen – gibt, hilft es wenig, wenn die relevanten Bevölkerungsgruppen darĂŒber nicht informiert sind.
  • Sicherstellung eines kompetenten Personals im öffentlichen Gesundheitswesen→ Selbst das Fachpersonal braucht hin und wieder Weiterbildungen. Dies sicherzustellen, ist ein wichtiges Ziel.
  • Bewertung der Wirksamkeit, ZugĂ€nglichkeit und QualitĂ€t von persönlichen und bevölkerungsbezogenen Gesundheitsdiensten→ Auch hier gilt es, systematisch und regelmĂ€ĂŸig die QualitĂ€tsstandards aller Anbieter zu ĂŒberprĂŒfen.
  • Forschung nach neuen Erkenntnissen und innovativen Lösungen fĂŒr Gesundheitsprobleme→ Wissenschaflter:innen verschiedener Fachgebiete kommt eine zentrale Rolle zu, wenn es darum geht, Public Health voranzutreiben. Moderne Forschung ist dabei als Ziel unverzichtbar.

Es ist nicht schwer, sich auszumalen, dass alle eben genannten Ziele wiederum zahlreiche untergeordnete Ziele haben. Dies verdeutlicht den immensen Umfang des Forschungsfeldes Public Health.

3.1. Public Health ist Global Health

All die eben genannten Ziele erfordern große Anstrengungen und einen erheblichen finanziellen Aufwand. Um wirklich allen Menschen eine bessere Gesundheit zu ermöglichen ist es daher entscheidend, global zu denken [1]. 

Denn gerade Àrmere LÀnder haben hÀufig mit noch grundsÀtzlicheren Herausforderungen zu tun. Daher sollten global gesehen unbedingt noch weitere Ziele benannt werden [1]:

  • eine bessere Erfassung von Gesundheitsstatistiken gewĂ€hrleisten→ Dies ist prinzipiell auch in Ă€rmeren LĂ€ndern möglich, wird jedoch hĂ€ufig aus politischen GrĂŒnden gefĂ€hrdet.
  • politischen Konsens ĂŒber die hohe PrioritĂ€t von Bildung und Gesundheitsdiensten erreichen→ Global gesehen ist dies keineswegs selbstverstĂ€ndlich und muss daher immer wieder vorangetrieben werden.
  • weibliche Autonomie ermöglichen→ Auch hier bestehen weltweit große Ungleichheiten. NatĂŒrlich ist die bestmögliche Gesundheit jedoch nur erreichbar, wenn alle Menschen freie und unabhĂ€ngige Entscheidungen treffen können.
  • eine angemessene ErnĂ€hrung garantieren→ Was in wohlhabenden LĂ€ndern zur NormalitĂ€t zĂ€hlt, ist fĂŒr viele Menschen weltweit immer noch existenzielles Problem. FĂŒr eine gute Gesundheit ist es unverzichtbar.
  • effiziente und zugĂ€ngliche Gesundheitsdienste, einschließlich prĂ€ventiver Dienste schaffen→ Auch dies ist eine immense Herausforderung. Die Ärzt:innen- und Klinikdichte ist in Ă€rmeren LĂ€ndern deutlich erniedrigt. Gute medizinische Versorgung fĂŒr viele Menschen nicht bezahlbar.

All dies sind gute GrĂŒnde, weswegen Public Health deutlich „grĂ¶ĂŸer gedacht” werden kann, als sich nur um individuelle Krankheitsrisiken und bestimmte Hochrisikogruppen innerhalb einer Bevölkerung zu kĂŒmmern. Dies macht das Feld jedoch deutlich komplexer [1].

FAQs

Was versteht man unter dem Begriff Public Health?

„Public Health umfasst sĂ€mtliche kollektiven Maßnahmen zur nachhaltigen Verbesserung der Gesundheit der Bevölkerung.” [1]

Was kann man mit Public Health machen?

Die beiden ĂŒbergeordneten Ziele von Public Health sind die Vorbeugung von Krankheiten und die Verbesserung von Gesundheit. Alle Maßnahmen, die darauf abzielen, diese beiden Ziele voranzutreiben, können im weiteren Sinne zum Gebiet der Public Health gezĂ€hlt werden [1, 4, 7]. 

Was untersucht Public Health?

Public Health untersucht alle möglichen Determinanten von Gesundheit. Hierzu zĂ€hlen auch die Lebenssituation und Faktoren, die ĂŒberhaupt zur Krankheitsentstehung fĂŒhren [1]. 

Ein wichtiges Beispiel ist somit die Krankheitsvorbeugung. So soll bei der sogenannten primĂ€ren PrĂ€vention das Neuauftreten einer Krankheit verhindert werden. Beispiele sind Impfungen und Lifestyle-Maßnahmen wie Raucherentwöhnung [1, 4].

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