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Wie medizinische Wearables und Fitness-Tracker unsere Gesundheit verändern

Vom sportlichen Begleiter bis hin zum lebenswichtigen Helfer

Wearables: Definition und Funktion

Wearables sind technologische Hilfsmittel, die so kompakt sind, dass wir sie einfach am K√∂rper tragen k√∂nnen. Die Computer im Miniformat erzeugen mit verschiedenen Sensoren eine Vielzahl von Messdaten und lassen sich anhand ihres Nutzens in medizinische und nichtmedizinische Wearables unterscheiden. Medizinische Wearables haben einen klaren Auftrag: Sie unterst√ľtzen bei der Behandlung von Krankheiten und k√∂nnen die Lebensqualit√§t insbesondere von Menschen mit chronischen Erkrankungen verbessern. Nichtmedizinische Wearables wie Fitnessarmb√§nder oder Smartwatches k√∂nnen wir dagegen auch ohne medizinische Notwendigkeit aus reinem Interesse an unseren Vitalfunktionen sowie zur digitalen Kommunikation verwenden.

Seit sie den Massenmarkt erreicht haben, werden Wearables zunehmend kleiner, vielseitiger und vernetzter. Die meisten Wearables lassen sich √ľber Bluetooth mit dem Smartphone verbinden, um die gemessenen Daten darauf zu √ľbertragen und dort auszuwerten. Dadurch wird ein bluetoothf√§higes Wearable zum Teil des sogenannten ‚ÄúInternet of Things‚ÄĚ (IoT), dem Internet der Dinge: eine Technologie, durch die Ger√§te und ihre Daten miteinander √ľber das Internet (oder internet√§hnliche Netzwerke) verbunden sind.

Da die meisten Wearable-Anbieter die erfassten Daten nicht nur auf dem Ger√§t selbst, sondern auch auf verschiedenen, √ľber das Internet verbundenen Servern (die sogenannte ‚ÄúCloud‚ÄĚ) speichern, sind auch immer mehr Gesundheitsdaten √ľber das Internet abrufbar. [1]

2. Arten von Wearables

Während Fitness- und Lifestyle-Wearables meist zur Einschätzung und Dokumentation der persönlichen Gesundheit und Fitness genutzt werden, ermöglichen medizinische Wearables kranken und älteren Menschen ein Leben mit weniger Einschränkungen. Medizinische Wearables benötigen eine behördliche Zulassung, wohingegen Fitness-Wearables, sofern sie rein äußerlich angewendet werden, meistens frei verkäuflich sind.

Aufgrund des technologischen Fortschritts sowie der gestiegenen Anspr√ľche der Nutzer wird die Grenze zwischen Fitness und Medizin immer flie√üender: Fr√ľher konnten Fitness-Wearables, wenn √ľberhaupt, nur wenige medizinisch relevante Daten erheben. Heute warnen einige Produkte bereits vor m√∂glichen Risikofaktoren eines Herzinfarktes. Umgekehrt werden vormals als reine Lifestyle- und Fitness-Wearables ausgelegte Ger√§te auch f√ľr medizinische Zwecke weiterentwickelt.

3. Wearables in der Medizin

Lebenswichtige, k√∂rperliche Funktionen unterst√ľtzen, Patienten mehr Freiheiten bieten und √Ąrzten und Forschern neue Erkenntnisse erm√∂glichen ‚Äď medizinische Wearables √ľbernehmen entscheidende, gesundheitsbezogene Aufgaben.

Daf√ľr m√ľssen sie zun√§chst ihre Wirksamkeit und ihre einwandfreie Funktion in Studien und Tests unter Beweis stellen. Zugelassen werden nur Ger√§te, die einen echten Mehrwert bieten, sicher sind und verl√§ssliche Daten hervorbringen. [2] Dazu geh√∂ren sowohl speziell durch medizinische Forschung entwickelte Wearables als auch Smartwatches und Tracker, die urspr√ľnglich aus dem Lifestyle- und Fitness-Bereich stammen und nun medizinische Zwecke erf√ľllen sollen.

Viele moderne, medizinische Wearables lassen sich äußerlich anwenden. Meist ersetzen sie ältere und unhandliche Messinstrumente oder ermöglichen zusätzliche Messungen, die mehr Sicherheit und einen besseren Überblick zu den relevanten Daten bieten. [3]

3.1 Tracker zur Blutzuckermessung

Gesundheitstracker vereinfachen die Kontrolle der Messwerte bei Patienten mit chronischen Krankheiten. Im medizinischen Bereich sind sensorbasierte Blutzuckertracker heutzutage verbreitet. Fr√ľher mussten sich Diabetiker mehrmals t√§glich in den Finger stechen, und das Blut von einem Messger√§t analysieren lassen. Heute √ľberwacht ein wenige Millimeter gro√üer Sensor an der R√ľckseite des Oberarms dauerhaft den Blutzuckerspiegel. Alle 60 Sekunden liefert ein F√ľhler den Zuckerwert der Zwischenzellfl√ľssigkeit. Das zugeh√∂rige Messger√§t kann den Wert jederzeit ablesen ‚Äď auch durch die Kleidung. Dank der durchgehenden Messung kann das Ger√§t eine Prognose abgeben, ob der Blutzucker steigt oder sinkt. Diese Trends visualisiert eine entsprechende App in einem √ľbersichtlichen Diagramm. [4]

3.2 Medizinische Patches

Ein Patch ist ein spezielles Silikonpflaster, das Sensoren auf die Haut am Oberk√∂rper aufbringt. Die Sensoren ermitteln Vitaldaten, wie beispielsweise die Herzfrequenz, das Bewegungs-, das Sitz- und Schlafverhalten. Diese Daten sendet das Patch an das Pflegepersonal. √úber eine entsprechende App k√∂nnen Pfleger und √Ąrzte schnell erkennen, ob die Patienten beispielsweise ihre Liegeposition ausreichend h√§ufig ver√§ndert haben, um einem Wundliegen effektiv vorzubeugen. [5]

3.2.1 Patches f√ľr postoperatives Monitoring

Patches mit Bewegungssensoren k√∂nnen auch f√ľr ein postoperatives Monitoring bei Knievollprothesen und zur √úberwachung des Fortschritts im Rahmen einer Rehabilitation genutzt werden. Regelm√§√üige Arztbesuche macht das Patch √ľberfl√ľssig ‚Äď schlie√ülich k√∂nnen die Daten √ľber das Internet auch aus der Ferne √ľberwacht und ausgewertet werden. [6] Bevor derartige Patches fl√§chendeckend genutzt werden k√∂nnen, muss jedoch die Kosten√ľbernahme durch die Krankenkassen gekl√§rt werden.

3.2.2 Patches zur Fötus-Überwachung

F√ľr werdende M√ľtter hat ein Start-up eine Art Patch entwickelt: Die Nutzerin klebt das wenige Zentimeter gro√üe und 15 Gramm schwere Ger√§t mit einem Silikon-Gel-Sticker auf ihren Bauch. Von dort √ľberwacht das F√∂tus-√úberwachungs-Patch die Herzt√∂ne des heranwachsenden Kindes. Daraus kann die Nutzerin ableiten, wie weit sie sich beispielsweise sportlich belasten darf. Durch das fortw√§hrende Monitoring durch die Bauchdecke soll die werdende Mutter rechtzeitig auf Unregelm√§√üigkeit und eventuelle Komplikationen w√§hrend der Schwangerschaft aufmerksam werden. [7]

3.3 Smartwatches f√ľr die ambulante √úberwachung und Nachsorge

Schlaganf√§lle sind in Deutschland die dritth√§ufigste Todesursache. [8] Dem sollen k√ľnftig, so hoffen die Hersteller, Smartwatches entgegenwirken. Mittels Miniatur-EKG-Ger√§ten f√ľr das Handgelenk k√∂nnen gef√§hrdete Menschen selbst Elektrokardiogramme erstellen, um einem eventuellen Vorhofflimmern mit erh√∂htem Risiko eines Schlaganfalls auf die Spur zu kommen. Welches Ger√§t zum jeweiligen Patienten passt, h√§ngt vor allem von dessen Symptomen ab. In der Regel setzen die √Ąrzte je eine Sonde in die Hauptkammer des Herzens und eine in die Vorkammer ein. Diese Sonden geben, von einem neben dem Herzen implantierten elektronischen Schrittmacher gesteuert, in regelm√§√üigen Abst√§nden elektrische Impulse an den Herzmuskel ab. Ger√§te der neuesten Generation sind derart klein, dass sie direkt in die Herzkammer implantiert werden k√∂nnen. Sonden sind dadurch √ľberfl√ľssig. Ein Herzschrittmacher kann zudem den Herzrhythmus aufzeichnen und Aufschluss √ľber die Art der Herzrhythmusst√∂rungen geben. [9]

4. Fitness- und Lifestyle-Wearables

Selbstvermessung f√ľrs Handgelenk: L√§ngst haben sich Wearables als schickes Accessoire bei technikaffinen Konsumenten und gesundheitsorientierten Freizeitsportlern etabliert. Ihre Genauigkeit nimmt mit dem technologischen Fortschritt immer weiter zu, bleibt aber noch verbesserungsf√§hig. Trotzdem liefern die erhobenen Daten einen Indikator f√ľr das pers√∂nliche Gesundheitsverhalten: Sie sollen uns bewusst machen, wie viel oder wenig wir uns bewegen und uns dazu motivieren, unseren privaten Alltag aktiver und ges√ľnder zu gestalten.

4.1 Sportuhren und Smartwatches

Ob beim Joggen, Fahrradfahren oder Schwimmen: Mit Sportuhren lassen sich die zur√ľckgelegten Strecken aufzeichnen und die gesammelten GPS-Daten an entsprechende Apps und Plattformen √ľbertragen. Neben einem Bewegungsmuster und der Anzahl der Schritte erfassen diese teilweise auch die Herzfrequenz der Sportler. So lassen sich Unterschiede zwischen Ruhe- und Belastungspuls ermitteln und die Intensit√§t des Trainings gezielt √ľberwachen. Fr√ľher setzten Pulsuhren dabei auf einen zus√§tzlichen Brustgurt.

Heute messen Sportuhren die Herzfrequenz meist ohne zus√§tzliches Equipment mittels eines Sensors am Handgelenk. Bei der Herzfrequenzmessung am Handgelenk erfasst die sogenannte ‚ÄúOptische Herzfrequenz-Messung‚ÄĚ (auch Optical Heart Rate Measurement, OHR) das Blutvolumen. Daf√ľr senden LEDs ein helles, meist gr√ľnes Licht durch die Haut. Eine Fotodiode analysiert anschlie√üend die Intensit√§t des von der Haut reflektierten Lichts und damit das Volumen des Blutflusses. Je st√§rker der Blutfluss an den Arterien am Handgelenk ist, desto weniger Licht wird reflektiert. [10]

Smartwatches hatten dagegen urspr√ľnglich vor allem eine Aufgabe: Sie sollten uns die Kommunikation erleichtern. Die internetf√§higen Uhren zeigen E-Mails, Kurznachrichten oder andere Informationen aus dem Netz an. Zunehmend verschmelzen Smartwatches und Sportuhren in ihren Funktionen: Sie bieten nicht nur Kommunikationsfunktionen, sondern messen auch den Puls, z√§hlen zur√ľckgelegte Schritte oder warnen bei Verdacht auf Herzrhythmusst√∂rungen.

Während des Sports helfen die auf dem Display angezeigten Daten oder Signaltöne den Trainierenden, ihre Vitalwerte, wie beispielsweise die Herzfrequenz, im Blick zu behalten und ihre Trainingsintensität daran anzupassen. Über spezielle Social-Media Plattformen können Leistungsdaten aus dem Training mit anderen geteilt sowie kommentiert und bewertet werden.

4.2 Fitnessarmbänder und -tracker

Viele Fitnessarmb√§nder, auch Fitnesstracker genannt, sind bewusst schlank gestaltet, damit sie im Alltag nicht st√∂ren. Am Handgelenk wirken sie meist eher wie Schmuck, w√§hrend Sportuhren und Smartwatches oft wie Minicomputer aussehen. Einige Fitnessarmb√§nder verzichten sogar auf ein Display. Die Datenauswertung erfolgt bei ihnen allein √ľber das Smartphone.
Die Tracker z√§hlen meistens unsere Schritte, berechnen daraus den jeweiligen Kalorienbedarf f√ľr den Tag und erinnern uns daran, bei der Arbeit am Schreibtisch gelegentlich aufzustehen. Sie nutzen in der Regel eine Kombination aus zwei verschiedenen Sensoren: der eine misst die Beschleunigung, der andere die Rotation. Der Beschleunigungssensor bestimmt die Geschwindigkeit unserer Bewegungen, w√§hrend der Drehungssensor die Richtung dieser Bewegungen erfasst.

Auch in der Nacht k√∂nnen Fitnessarmb√§nder Daten sammeln, die Aufschluss √ľber die jeweiligen Schlafphasen geben k√∂nnen. Der Bewegungssensor zeichnet die Bewegungsmuster, die Ruhephasen sowie die Anzahl und die L√§nge der Bewegungen im Schlaf auf. Daraus berechnet die zus√§tzlich ben√∂tigte Schlaftracker-App, wie wir geschlafen haben. Dies erm√∂glicht R√ľckschl√ľsse auf die jeweiligen Schlafphasen und somit auf die Schlafqualit√§t, die f√ľr die Regeneration unseres K√∂rpers und unseres Geistes entscheidend ist.

Welche Schl√ľsse aus diesen Daten zu ziehen sind, bleibt den Nutzenden bei vielen Trackern noch weitestgehend selbst √ľberlassen. Der medizinischen Forschung k√∂nnten derartige Vitaldaten jedoch wertvolle Aufschl√ľsse liefern. Deshalb setzt die Wissenschaft gro√üe Hoffnung in das Konzept der ‚ÄúDatenspende‚ÄĚ: Damit w√§re es Wearable-Usern zuk√ľnftig m√∂glich, ihre Daten anonymisiert oder pseudonymisiert der Forschung zur Verf√ľgung zu stellen. Der Datenpool k√∂nnte dabei helfen, Erkrankungen besser zu verstehen, die Fr√ľherkennung von Krankheiten zu f√∂rdern und Therapieformen zu optimieren ‚Äď um im besten Fall Menschenleben retten. [11]

5. Wachsender Datenpool mit Potential

Der Markt f√ľr medizinische Wearables und Fitness-Tracker w√§chst stetig. [12] Die Ger√§te werden immer erschwinglicher und lassen die Menge der erhobenen Gesundheitsdaten rasant ansteigen. Zur gleichen Zeit w√§chst auch die Zahl der Menschen, die an chronischen Erkrankungen leiden. Gesundheitsorganisationen, Forscher und Unternehmen hoffen, dass der Datenpool ihnen dabei hilft, Ger√§te und Behandlungen stetig weiterzuentwickeln und so auch die Kosten f√ľr das Gesundheitswesen zu reduzieren. F√ľr die Gesundheitsforschung stellt der wachsende Datenpool ein riesiges Potential dar: Jedoch sind die Forscher darauf angewiesen, dass Menschen entsprechende Daten freiwillig bereitstellen bzw. ihre Daten ‚Äúspenden‚ÄĚ.

5.1. Datenspende

Die Funktionen von medizinischen Wearables und Fitness-Wearables werden immer vielf√§ltiger, die Grenzen verschwimmen zusehends. Mittlerweile k√∂nnen Fitnessarmb√§nder auch medizinische Zwecke erf√ľllen: Sie k√∂nnen zum Beispiel dar√ľber Aufschluss geben, ob der Nutzer an Grippe erkrankt ist ‚Äď manchmal noch bevor der Tr√§ger des Wearables die Symptome selbst bemerkt. In einer Studie fanden Forscher einen Zusammenhang zwischen einem erh√∂hten Ruhepuls in der Nacht und dem Auftreten der Grippe. F√ľr diese Studie verwendeten die Forscher Puls- und Bewegungsdaten, die ihre Probanden mit einfachen Fitnessarmb√§nder ermittelten, die die Probanden √ľber zwei Jahre Tag und Nacht am Handgelenk trugen. [13]

Damit Studien wie diese medizinische Zusammenh√§nge erkennbar machen, ben√∂tigen die Forscher eine m√∂glichst gro√üe Menge an Daten. Wearables k√∂nnten die Gesundheitsforschung unterst√ľtzen, indem die Tr√§ger ihre Daten selbstbestimmt entsprechenden Projekten und Studien bereitstellen, was auch unter dem Konzept der Datenspende bekannt ist.

5.2. Daten aus Wearables gegen die Coronavirus Pandemie

Auch zur Eind√§mmung des neuartigen Coronavirus k√∂nnten Daten aus Wearables wie Fitnesstrackern und Smartwatches eine wichtige Rolle spielen. Daten √ľber Aktivit√§t und Herzfrequenz der Nutzer, k√∂nnen wissenschaftlich ausgewertet werden und Erkenntnisse √ľber bestimmte Symptome liefern, wie Fieber oder ver√§ndertes Schlafverhalten. Diese Symptome werden unter anderem auch in Verbindung mit einer COVID-19 Erkrankung gebracht. Die √ľber Wearables erhobenen Gesundheitsdaten ersetzen keinen Corona-Test zur Diagnose, sie k√∂nnten aber, insbesondere bei Verf√ľgbarkeit in gro√üen Mengen und in Verbindung mit weiteren Datenpunkten, R√ľckschl√ľsse zum Beispiel √ľber die Ausbreitung von Corona-Infektionen erm√∂glichen.

Das Robert Koch-Institut (RKI) hat die Chancen und M√∂glichkeiten einer Datenspende von Wearable-Daten in diesem Zusammenhang erkannt und hat vor kurzem eine App zur freiwilligen √úbermittlung von Gesundheitsdaten ver√∂ffentlicht. [14] Mit der Corona-Datenspende-App k√∂nnen Nutzer Daten von Fitnessarmb√§ndern, Smartwatches und Gesundheitsapps an das RKI √ľbermitteln. Das Institut erhofft sich auf diese Weise neue Erkenntnisse zu Verbreitung und Dunkelziffer von Corona-Infektionen in Deutschland zu gewinnen.

Bei der weiteren Erforschung des Coronavirus und in der Medizin allgemein ist zu erwarten, dass Daten aus Wearables eine zunehmend bedeutende Rolle spielen werden. Nutzer k√∂nnten mit ihren Gesundheitsdaten aus Wearables einen ma√ügeblichen Beitrag zur medizinischen Forschung leisten. Bei allen L√∂sungen sollten Datenschutz und Pers√∂nlichkeitsrechte jederzeit gew√§hrleistet sein [15]. Auch ohne Corona-Bezug ist dies ein wichtiger Grundsatz f√ľr andere Wearables und Apps im Umgang mit sch√ľtzenswerten Gesundheitsdaten.

6. Die Grenzen von Wearables

Bei vielen Ger√§ten, insbesondere bei Fitness-Wearables f√ľr den Consumer Bereich, bestehen noch funktionale und messtechnische Verbesserungsm√∂glichkeiten. Auch deren Anbindung an das Internet der Dinge wird √§u√üerst kontrovers diskutiert ‚Äď vor allem aus Gr√ľnden des Datenschutzes.

6.1. Sicherheit der Daten

Fitnesstracker, Smartwatches und Sportuhren bringen viele praktische Funktionen mit, die meist erst in Verbindung mit einem Smartphone und einer entsprechenden Webplattform ausgewertet werden können. Die Datenschutzkonformität zwischen den einzelnden Anbietern variiert mitunter stark.

Mit der Nutzung der Apps erkl√§ren sich die Anwender oft damit einverstanden, dass die Smartphone-App zahlreiche Nutzerdaten abfragt und die gemessenen Vitaldaten an den Anbieter sendet. Was mit den gesammelten Daten dort passiert, dar√ľber informieren die Datenschutzerkl√§rungen der kommerziellen Anbieter teilweise nur d√ľrftig. [16]

Neben den sensiblen Gesundheitsdaten senden drei Viertel der getesteten Apps auch Daten zum Nutzerverhalten an den Server des Anbieters. Bei fast allen Apps waren zudem Drittanbieter oder Drittl√§nder an der Verwertung der Daten beteiligt. Nur wenige der Apps im Test verzichteten auf die Standortverfolgung des Nutzers. Datenschutzexperten bezweifeln, dass die Erhebung von Nutzerdaten f√ľr die Funktion der App notwendig ist. [17] [18]

6.2. Genauigkeit der Messwerte

W√§hrend eine Sportuhr bis auf einige Zentimeter genau die beim Joggen oder der letzten Golfpartie zur√ľckgelegte Strecke aufzeichnen k√∂nnen, sind andere Messergebnisse deutlich umstrittener. Unzuverl√§ssige Messdaten erscheinen √Ąrzten und Gesundheitsexperten nicht immer sinnvoll. Gerade bei Wearables, die f√ľr den gesunden Endverbraucher geschaffen wurden, geht es weniger um valide Gesundheitsdaten als vielmehr um den Abverkauf der technischen Endger√§te. Viele der Daten gerade der g√ľnstigeren Fitnessarmb√§nder scheinen zu ungenau, um aus ihnen medizinische Schl√ľsse ziehen zu k√∂nnen.

So gilt etwa die Ermittlung des Pulses durch optische Sensoren als m√§√üig zuverl√§ssig. F√ľr andere Erhebungsverfahren, etwa f√ľr das Handgelenk-EKG, erscheint eine h√∂here Zahl von Sensoren w√ľnschenswert. Auch wenn die Sensoren stetig verbessert werden, erreichen sie jedoch selten die Pr√§zision medizinischer Ger√§te. [19][20]

6.3. Interpretation der Daten

Die Auswertung der medizinischen Wearables √ľbernimmt in der Regel ein Arzt oder ein medizinisch geschulter Spezialist. Bei Lifestyle- und Fitness Wearables sieht das jedoch anders aus: So m√ľssen die Trainierenden beispielsweise die Pulsdaten ihrer Sportuhren selbst auswerten. Die Plattformen, auf denen die Daten der Fitnesstracker zusammengef√ľhrt und ausgewertet werden, weisen teilweise deutliches Optimierungspotenzial auf: Die Nutzenden erhalten Messergebnisse und Auswertungen, mit deren Interpretation sie meist allein gelassen werden. Kaum eine App weist an prominenter Stelle darauf hin, dass die Daten eventuell fehlerhaft oder ungenau sein k√∂nnen ‚Äď und wie sie zu interpretieren sind. Um eine Verunsicherung durch uneindeutige Messdaten oder eine falsche Auswertung durch medizinische Laien zu vermeiden, w√ľnschen sich viele Mediziner hier einheitliche Standards. [21]

7. Auf einen Blick: Wearables zur Gesundheitsförderung

Der Markt an medizinischen und Fitness-Wearables ist sehr vielfältig und bietet zahlreiche Möglichkeiten, die eigene Gesundheit und Fitness zu verbessern. Die Geräte werden kontinuierlich weiterentwickelt und und immer kleiner, leistungsfähiger und multifunktionaler. Dabei verschwimmen die Grenzen zwischen medizinischen und Fitness-Wearables zunehmend.

Fitnessarmb√§nder und Smartwatches k√∂nnen dazu beitragen, uns unseren Lebensstil bewusst zu machen und auf dieser Basis positiv zu ver√§ndern. Dennoch besteht neben zahlreichen Vorteilen auch einiges Verbesserungspotential vor allem in puncto Datenschutz. Medizinische Wearables k√∂nnen lebenswichtige, k√∂rperliche Analysen √ľbernehmen, die zuvor nur mit invasiven Methoden m√∂glich waren. Damit verhelfen sie insbesondere √§lteren oder chronisch kranken Menschen zu neuer Lebensqualit√§t.

Nicht zuletzt k√∂nnten Wearables die Gesundheitsforschung zuk√ľnftig unterst√ľtzen, indem die Tr√§gerinnen und Tr√§ger einer Nutzung ihrer Vitaldaten f√ľr entsprechende Studien zustimmen. Mit Blick auf die aktuelle Forschung zu unserem mobilen Gesundheitsverhalten scheint eines klar: Die Zukunft ist tragbar.

Quellen

[1] https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0378512218302330

[2] https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/gesundheitswesen/medizinprodukte/definition-und-wirtschaftliche-bedeutung.html

[3] https://www.healtheuropa.eu/wearable-medical-devices-explore-the-global-overview/93072/

[4] https://www.freestylelibre.de/libre/

[5] https://www.kma-online.de/aktuelles/it-digital-health/detail/intelligente-pflaster-als-medizinische-wearables-auf-dem-vormarsch-a-38969

[6] https://www.zeitschrift-sportmedizin.de/telemedizinische-assistenzsysteme-in-rehabilitation-und-nachsorge/4

[7] http://www.modoo-med.com/index.html

[8] https://www.klinikum-stuttgart.de/kliniken-institute-zentren/neurologische-klinik/an-einem-standort-vereint/schlaganfall-ist-die-dritthaeufigste-todesursache/

[9] https://www.nhlbi.nih.gov/health-topics/pacemakers

[10] https://www.runnersworld.de/laufuhren/genaugikeit-der-optischen-herzfrequzenzmessung/

[11] https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/105591/Deutsche-zur-Datenspende-fuer-medizinische-Forschung-bereit

[12] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/417580/umfrage/prognose-zum-absatz-von-wearables/

[13] https://www.thelancet.com/journals/landig/article/PIIS2589-7500(19)30241-9/fulltext

[14] https://corona-datenspende.de/

[15] https://www.ccc.de/de/updates/2020/contact-tracing-requirements

[16] https://www.bsi-fuer buerger.de/BSIFB/DE/DigitaleGesellschaft/IoT/Wearables/Wearables_node.html

[17] https://elib.uni-stuttgart.de/bitstream/11682/9978/1/Ausarbeitung_Krawietzek.pdf

[18] https://www.devicemed.de/wearables-in-der-medizin-vom-fitness-armband-zum-blutdruckmessen-bis-zum-herzschrittmacher-a-758812/

[19] http://ixp-duesseldorf.de/wp-content/uploads/2017/05/Validit%C3%A4t-und-Usability-von-Wearables-zur-Erfassung-k%C3%B6rperlicher-Aktivit%C3%A4t-in-der-Selbstevaluation-gesundheitsbezogenen-Verhaltens.pdf

[20] https://www.nature.com/articles/s41746-020-0226-6

[21] https://journals.plos.org/plosmedicine/article?id=10.1371/journal.pmed.1001953

Die Inhalte dieses Artikels geben den aktuellen, wissenschaftlichen Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder und wurde nach bestem Wissen und Gewissen verfasst. Dennoch kann der Artikel keine medizinische Beratung und Diagnose ersetzen. Bei Fragen wenden Sie sich an Ihren Allgemeinarzt.

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